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Hausandachten

 

Kurz be-dacht

 

P. Kocht

 

Kurz be-sprochen


Sie mögen vielleicht keine Andachten als Videoform, oder Sie möchten gerne eine Andacht in Ihrem eigenen Tempo?

Kein Problem! Verschiedene Autoren erstellen zu jedem Sonntag Hausandachten, die Sie zu Hause für sich halten können.

 

Andacht für zu Hause 15.8.2021.pdf

Andacht für zu Hause am 1.8.2021.pdf

Andacht für zu Hause 18.7.2021.pdf

Häusliche Andacht zum 4.Sonntag nach Trinitatis.pdf

Andacht für zu Hause am 20.6.2021.pdf

häusliche Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis.pdf

Andacht für zu Hause am 6.6.2021.pdf

Häusliche Andacht Trinitatis 2021.pdf

Häusliche Andacht Pfingsten.pdf

häusliche Andacht Exaudi.pdf

Häusliche Andacht zum Sonntag Rogate.pdf

Häusliche Andacht zum Sonntag Kantate.pdf

Häusliche Andacht zum Sonntag 'Jubilate_2021.pdf

Häusliche Andacht zum Sonntag Misericordias Domini.pdf

Häusliche Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti 2021.pdf

Drei häusliche Andachten zur heiligen Woche(Ostern).pdf


Andacht für zu Hause am 11. Sonntag nach Trinitatis, 15.8.2021

 

Liebe Gadenstedter und liebe Ölsburger!

 

Ein fester Grund gibt Sicherheit. Das Evangelium und die Gnade Gottes bieten diese Sicherheit: Zu wissen, es ist Gott, der mich trägt. Das ist zwiespältig: Es macht demütig und es verleiht Sicherheit. Diese Sicherheit kann dazu dienen, dem Evangelium Worte und Taten folgen zu lassen. Gut, dann einen festen Grund zu haben, in dem wir verwurzelt sind. So heißt es im 1. Petrusbrief (5,5b): Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

 

Mit diesem Wochenspruch grüßen wir Sie und Euch herzlich,

 

Ihre/Eure Pastoren Dominik C. Rohrlack und Norbert Paul

 

 

(Die Glocken läuten.) Wir entzünden eine Kerze.

 

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Ich feiere/wir feiern diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Eingangsgebet

Gott, wir lassen uns immer wieder ablenken von Meinungen, die unwichtig sind. Und wenn Entscheidungen anstehen, zögern wir und kennen unsere tatsächlichen Wurzeln nicht. Wenn wir aufstehen und das Heft in die Hand nehmen sollten für dein Reich, dann bleiben wir sitzen und schweigen. Wenn wir, verwurzelt in dir, mit deiner Hilfe die Welt verändern sollten, verharren wir und bleiben in alten Mustern.

Wir bitten dich, Gott, vergib uns. Amen

 

Lied: Himmel, Erde, Luft und Meer (Ev. Gesangbuch 504, 1-6), singen oder Text lesen

504:1 Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

504:2 Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht; auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

504:3 Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

504:4 Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar. Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.

504:5 Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.

504:6 Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

 

Bibeltext zum Sonntag aus dem  Epheserbrief, Kapitel 2, Verse 4-10

4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, 5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; 6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, 7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

 

Angedacht

In der Zeit 1946/1947 hat Wolfgang Borchert eine Reihe von Kurzgeschichten geschrieben, die im Krieg oder in der Nachkriegszeit spielen. Wolfgang Borchert war während des Krieges wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ im Gefängnis, hat sich dort eine schwere Lebererkrankung zugezogen und ist einen Tag vor der Uraufführung seines Dramas „Draußen vor der Tür“ mit 26 Jahren gestorben. Die Kurzgeschichte „Das Brot“ handelt von einem alten Ehepaar. Sie haben keine Namen, sie sind: Sie und Er. Der Hintergrund des Geschehens ist, dass Brot kurz nach dem Krieg knapp war und rationiert ist.

 

Mitten in der Nacht, genau um halb drei, wacht die Frau von der Stille auf. Sie fasst mit der Hand neben sich und bemerkt, dass ihr Mann aufgestanden ist. Im Dunklen tappt sie in die Küche und sieht ihren Mann, sieht auf einen Blick, dass er sich Brot abgeschnitten hat. Statt dies zuzugeben, lügt er, er habe etwas gehört. Sie geht auf seine Lüge ein und sagt, auch sie habe etwas gehört. Es folgt ein längeres Hin und Her, es sei wohl die Dachrinne gewesen, die gegen die Wand gescheppert habe. In ihren Gedanken vollzieht sich ein Zusammenbruch ihres bisherigen Lebens. Sie ist erschüttert, dass er sie anlügt, nach 39 Jahren! Beide erkennen gegenseitig, dass sie alt geworden sind. Gleichwohl hilft die Frau ihrem verunsicherten Mann: „Komm man ins Bett.“ Sie stellt sich schlafend und hört ihn nach einer Weile kauen. Das ist so gleichmäßig, dass sie einschläft. Am nächsten Abend schiebt sie ihm eine Scheibe von ihrem Brot zu, behauptet, sie vertrage es abends nicht. Der Mann schweigt noch immer, beugt sich beschämt über den Teller. Er tut ihr leid, sie hat Mitleid mit ihm. Erst nach einer Weile setzt sie sich zu ihm unter die Lampe. – Die Kurzgeschichte ist tragisch, die Lüge wird ja nicht aufgehoben. Gleichwohl wird Glaube gelebt. Die Frau erkennt, dass ihr Mann sich schämt, und hilft ihm über die peinliche Situation hinweg. Sie erbarmt sich seiner.

 

Lied: Lobe den Herren, o meine Seele (Ev. Gesangbuch 303, 1+3-6) singen oder Text lesen

303:1 Lobe den Herren, o meine Seele! Ich will ihn loben bis in' Tod; weil ich noch Stunden auf Erden zähle, will ich lobsingen meinem Gott. Der Leib und Seel gegeben hat, werde gepriesen früh und spat. Halleluja, Halleluja.

303:3 Selig, ja selig ist der zu nennen, des Hilfe der Gott Jakobs ist, welcher vom Glauben sich nicht lässt trennen und hofft getrost auf Jesus Christ. Wer diesen Herrn zum Beistand hat, findet am besten Rat und Tat. Halleluja, Halleluja.

303:4 Dieser hat Himmel, Meer und die Erden und was darinnen ist gemacht; alles muss pünktlich erfüllet werden, was er uns einmal zugedacht. Er ist's, der Herrscher aller Welt, welcher uns ewig Treue hält. Halleluja, Halleluja.

303:5 Zeigen sich welche, die Unrecht leiden, er ist's, der ihnen Recht verschafft; Hungrigen will er zur Speis bereiten, was ihnen dient zur Lebenskraft; die hart Gebundnen macht er frei, und seine Gnad ist mancherlei. Halleluja, Halleluja.

303:6 Sehende Augen gibt er den Blinden, erhebt, die tief gebeuget gehn; wo er kann einige Fromme finden, die lässt er seine Liebe sehn. Sein Aufsicht ist des Fremden Trutz, Witwen und Waisen hält er Schutz. Halleluja, Halleluja.

 

Fürbittengebet

Großer Gott, in deinem Wort finden wir Wurzeln für unser Leben. Sie geben uns Halt, wo wir schwanken.

 

Wir bitten dich für Menschen, denen der Halt fehlt, die nicht wissen wohin, die verzweifeln am Leben, die nicht wissen, wie ihr Leben weitergehen soll. Mach uns deine Liebe bewusst, damit wir auf Menschen zugehen und Menschen einladen.

 

Großer Gott, wir bitten dich für kranke Menschen: Verleihe ihnen Zuversicht und Stärke. Wir bitten dich für die Angehörigen von Kranken: Lass sie gute Erfahrungen sammeln und Menschen finden, die ihnen aufhelfen, Kraft geben und sie trösten.

 

Großer Gott, wir bitten dich für alle, die unter Gewalt leiden: für die Frauen und Männer und die Kinder in Kriegsgebieten. Wir bitten dich für Menschen auf der Flucht vor Kriegen und Gewalt. Wir bitten dich für alle Kriegstreiber: Bring sie zur Einsicht, Mord und Totschlag sind immer der falsche Weg.

 

Großer Gott, in deinem Sohn hast du den Tod besiegt. Diese Wurzeln machen unser Leben neu. Wir können der Welt begegnen mit dem Wissen um deine Nähe im Leben und im Sterben.

 

In der Stille bringen wir vor dich, was uns auf der Seele liegt. …

 

Großer Gott, wir bitten dich, erhöre unsere Gebete. In deinem Wort und mit deiner Kraft wachsen wir über uns hinaus und lassen dein Reich aufblühen.

 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Für den nächsten Sonntag gibt es keine häusliche Andacht. Vielmehr sind Sie/seid Ihr herzlich zum Gottesdienst am 22.8. um 17:00 Uhr mit Taufe und Kirchenchor (nur im Freien) in Gadenstedt  eingeladen. Pastor Rohrlack und ich freuen uns auf Sie/Euch,

 

Pastor Norbert Paul


Andacht für zu Hause, 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

 

Liebe Gadenstedter und liebe Ölsburger!

 

Die neue Woche steht unter einem Wort Jesu aus dem Lukasevangelium (12,48): Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. Es geht um die Verantwortung, die wir als Christinnen und Christen  tragen – für uns selbst, für die Gemeinde und für die Welt. In dieser Andacht  haben wir Gelegenheit, darüber nachzudenken, was das bedeuten kann. Wir wünschen eine gesegnete Feier und grüßen sehr herzlich,

 

Ihre/Eure Pastoren Dominik C. Rohrlack und Norbert Paul

 

(Die Glocken läuten.) Wir entzünden eine Kerze.

 

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Ich feiere/wir feiern diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Eingangsgebet

Barmherziger Gott, jede und jeden von uns hast du geschaffen, dich, den Nächsten und das Leben zu lieben. Allen hast du Fähigkeiten und Talente für das Leben gegeben. Doch oft stehen wir uns und unseren Talenten im Weg.

Befreie uns von dem Wahn, etwas aus uns und unserem Leben machen zu müssen. Befreie uns von der Angst, zu kurz zu kommen, von dem Neid, der unsere Gaben blockiert. Lass uns immer wieder deine Güte erfahren, dass wir uns ihr anvertrauen ein Leben lang.

Darum bitten wir dich, der du mit dem Sohn im Heiligen Geist lebst und regierst, jetzt und in Ewigkeit.

 

 

Lied: Jesu meine Freude (ev. Gesangbuch 396, 1+2+4+5) singen oder Text lesen

396:1 Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

396:2 Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

396:4 Weg mit allen Schätzen; du bist mein Ergötzen, Jesu, meine Lust. Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewusst! Elend, Not, Kreuz, Schmach und Tod soll mich, ob ich viel muss leiden, nicht von Jesus scheiden.

396:5 Gute Nacht, o Wesen, das die Welt erlesen, mir gefällst du nicht. Gute Nacht, ihr Sünden, bleibet weit dahinten, kommt nicht mehr ans Licht! Gute Nacht, du Stolz und Pracht; dir sei ganz, du Lasterleben, gute Nacht gegeben.

 

Biblischer Text: Matthäus 7, 24-27

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.

27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

 

Angedacht

Die Bergpredigt, aus der unser Text stammt,  ist so etwas wie der Herzschlag Jesu. Es gibt in ihr die Seligpreisungen, die die uns vertraute Weltgeschichte auf den Kopf stellen und die Traurigen, die Sanftmütigen und die Barmherzigen gleichsam selig sprechen. Es gibt in der Bergpredigt eine Reihe von Hinweisen, wie das Leben am besten zu gestalten ist – und es gibt das Vaterunser, das Gebet, das alles sagt, was zu loben, zu bitten und zu danken ist. Der rote Faden der Bergpredigt ist aber ein viel tieferer. Er ist so etwas wie der Herzschlag Jesu. Und der heißt: Wer sein Leben in Gottes Hand baut, baut es in ein nicht enden wollendes Gottvertrauen. Jesus sagt: Vertraut Gott, und ihr werdet leben.

 

Dazu bemüht Jesus am Ende seiner Worte noch einmal ein besonders eindrucksvolles Bild. Er sagt: Wer Gott und den Worten seines Sohnes traut, wird von den vielen Regengüssen der Welt nicht hinweggespült. Wer sein Leben in die Hand Gottes baut, wer also Gott vertraut, steht fest.

 

Das klingt schön, war aber wohl auch schon zu Jesu Zeit eher verstörend. Matthäus schreibt ja am Schluss der Bergpredigt, dass sich das Volk über Jesu Lehre „entsetze“. Denn Jesus lehrt offenbar in einer ganz eigenen, vielleicht zunächst erschreckenden „Vollmacht“, die den Hörenden so nicht vertraut war. Vollmacht bedeutet hier so etwas wie Überzeugungskraft, gemischt mit Jesu Selbstvertrauen. Hier spricht nicht ein weiterer Schriftgelehrter, sondern der Sohn Gottes.

 

Wir sollten nicht denken, dass viele hundert Menschen zugehört haben. Es waren eher weniger. Und wir sollten auch nicht meinen, dass die Oberen des Volkes oder der Religion den Worten der Bergpredigt gelauscht haben. Es werden eher einfache Leute zugehört haben, Mühselige und Beladene; Menschen also, die ernst genommen werden wollten in ihren Ängsten und eine Richtung für ihr Leben suchten. Sie wollten keine Lehre hören, sondern Lebensmut. Den bekommen sie auch. Und doch „entsetzten“ sie sich.

 

Weil der Lebensmut, den sie bekommen, kein laues Lüftchen ist, sondern ein kühler und frischer Wind. Sie bekommen nicht ein paar gut gemeinte Ratschläge, sondern ein klares Ziel. Und das heißt: Wer sein Leben in Gottes Hand baut, der baut es in ein nicht enden wollendes Gottvertrauen.

 

Es gibt kein Leben ohne Vertrauen. Vertrauen ist der Felsen, auf den ich mich gründe, auch wenn mir das vielleicht nicht immer bewusst ist. Ich vertraue dem Händler, der mir Lebensmittel verkauft. Ich vertraue der Ärztin, in deren Hände ich mich begebe – und dem Busfahrer, der mich fährt sowie der Nachbarin, der ich den Schlüssel gebe „für alle Fälle“. Es gibt kein Leben ohne Vertrauen. Auch kein Leben ohne Selbstvertrauen. Ich sollte mir etwas zutrauen.

 

Zugleich soll ich Gott vertrauen – gerade dann, wenn ich aus der von mir geplanten Spur rutsche, wenn ich falle und mir Körper oder Seele weh tun. Dann ist Gottvertrauen so schwer wie nötig. Selbstvertrauen ersetzt kein Gottvertrauen. Viel mehr: Mein Selbstvertrauen steigt mit meinem Gottvertrauen.

 

Da höre ich ihn wieder, den Herzschlag Jesu: Mein Selbstvertrauen steigt mit meinem Gottvertrauen. Ich gebe mich nicht aus der Hand, wenn ich mich in Gottes Hände begebe. Ich tue beides. Ich vertraue Gott – und darin vertraue ich, dass Gott es gut mit mir meint und ich mit seiner Hilfe auch das Schwere bestehen werde. Wie es das wunderbare Lied sehr einfach ausdrückt (EG 533): Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand.

 

Lied: Du kannst nicht tiefer fallen (ev. Gesangbuch 533, 1-3) singen oder Text lesen

533:1 Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

 

533:2 Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unsrer Not.

 

533:3 Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.

 

Fürbittengebet

Lebendiger und barmherziger Gott, du lädst uns ein, dir zu vertrauen. Für unsere Ängste und Sorgen bist du da. Wir bitten dich um dein Erbarmen:

 

Für alle Opfer des Corona-Virus und anderer Krankheiten – hier und weltweit; und für die Angehörigen aller Verstorbenen: Tröste sie in ihrer Trauer. Für alle Erkrankten: Schenke du ihnen Heilung.

Für alle Menschen die sich für andere einsetzen und dabei ihr Leben einsetzen. Beschütze sie und gib ihnen Kraft und Geduld, wenn sie müde werden.

 

Für alle Notleidenden, in der Welt und hier vor Ort. Dass sie auf Menschen mit offenen Herzen und freigiebigen Händen treffen und neuen Mut fassen.

 

Für uns, die wir dich bekennen: Dass wir glaubhafte Zeugen deiner Liebe und deiner verzeihenden Gnade sind und in unserem Leben sichtbar wird, dass der Glaube an dich Halt, Sinn und Ziel unseres Lebens ist.

 

Für alle Verstorbenen, deren Mühsal jetzt ein Ende hat. Schenke ihnen Leben, das kein Ende kennt.

 

Herr, unser Gott, auch heute lässt du dich finden, wirst für uns spürbar und erfahrbar. So viel Güte und Gnade übersteigt manchmal unser Verstehen. Wir danken dir und loben und preisen dich.

 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Für den nächsten Sonntag gibt es keine häusliche Andacht. Vielmehr sind Sie/seid Ihr herzlich zum Gottesdienst am 8. August um 17:00 Uhr in die Trinitatis-Kirche in Ölsburg eingeladen. Ich freue mich auf Sie/Euch,

 

Pastor Norbert Paul


Andacht für zu Hause am 7. Sonntag nach Trinitatis, 18.7.2021

 

Liebe Ölsburger und liebe Gadenstedter,

 

über 40 Tote hat bisher das noch nie dagewesene Hochwasser im Westen unseres Landes gefordert. Viele werden noch vermisst. Dass so etwas passieren würde, hat niemand geahnt noch selbst je erlebt. Und doch: die Vorboten solcher Extremwetterlagen kündigen sich ja seit Jahren an. Die globalen Luft- und Wasserströmungen haben sich stark verändert. Schuld daran ist der menschengemachte Klimawandel. Es bleibt uns gar nichts übrig, als radikal umzusteuern. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Und wie wir sie der Gnade Gottes anvertrauen, so müssen wir miteinander eingestehen, dass wir uns an Gottes guter Schöpfung versündigt haben und täglich neu versündigen. Jede und jeder von uns kann dazu beitragen, unsere Erde zu retten. Tun wir es gerade auch im Hinblick auf die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

 

Wir grüßen Sie mit dem Wochenspruch für die vor uns liegende Woche: (Eph. 2,19) : So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

 

Ihre Pastoren Dominik C. Rohrlack und Norbert Paul

 

(Die Glocken läuten.) Wir entzünden eine Kerze.

 

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Ich feiere/wir feiern diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Gebet

Lebendiger, ewiger Gott, Licht der Welt. Du bist als Licht in die Welt gekommen, um unsere Dunkelheit zu erhellen. Dafür loben wir dich und bitten dich, dass dein Licht unser Leben erleuchte an jedem Tag, damit Menschen auf dein Licht aufmerksam werden. Durch Christus unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und uns liebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Lied: Nun lasst uns Gott dem Herren (Ev. Gesangbuch 320, 1-3+7+8)

320:1 Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.

320:2 Den Leib, die Seel, das Leben hat er allein uns geben; dieselben zu bewahren, tut er nie etwas sparen.

320:3 Nahrung gibt er dem Leibe; die Seele muss auch bleiben, wiewohl tödliche Wunden sind kommen von der Sünden.

320:7 Wir bitten deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen; du kannst's nicht böse meinen.

320:8 Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit, zu preisen deinen Namen durch Jesus Christus. Amen.

 

Biblischer Text: 1. Könige 17, 1-16

1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. 8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. 10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will's mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben. 13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach's, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia.

 

Angedacht

Ein warmer Sommertag im Juli. Die Luft ist erfüllt vom Duft des Lavendels, die Natur steht in voller Blütenpracht. Es ist mitten in der Woche. Arbeit gibt es genug – im Garten oder im Haushalt, bei den Hausaufgaben der Kinder oder der Erledigung des bürokratischen Papierkrams.

 

Plötzlich klingelt es. Unerwarteter Besuch steht vor der Tür. Unter dem Arm frisches Baguette, das köstlich duftet und eine gute Flasche Wein im Korb. Eine Verlockung, der man sich kaum entziehen kann. Weshalb denn auch? Weil es noch so viel anderes zu tun gäbe? Weil nicht Wochenende ist? Weil wir am nächsten Tag womöglich mit Kopfschmerzen aufstehen? Weil …

 

Nein, nichts ist wichtiger als das Beisammensein mit Menschen, die man gerne hat und von denen man gemocht wird. Im heimischen Kühlschrank finden sich noch Camembert und Salami. Schnell werden die Köstlichkeiten auf einem Tuch im Garten ausgebreitet und die Gläser gefüllt. Die Sonne scheint warm, die Hummeln summen, der Wein beschwingt uns, und durch die Luft klingt unser heiteres Gelächter.

 

Eine wohlige Trägheit breitet sich in uns aus. Ein Zustand, den wir uns im Urlaub zugestehen und den wir uns doch so oft für unseren Alltag wünschen. Säßen wir in einem südfranzösischen Kinofilm, würden wir diese Stunden als selbstverständlich empfinden und uns leise dorthin sehnen. Doch wir sind hier. In Deutschland.

 

Dennoch: Was geht es uns doch gut … Jetzt und heute. In uns entfaltet sich das Gefühl von Dankbarkeit. Eine Dankbarkeit, die uns ahnen lässt, dass das bereitete Mahl mehr ist als Essen und Trinken. Wir empfinden Geborgenheit, Nähe und Vertrauen. Im Zusammensein mit Menschen überwinden wir unsere eigene Begrenztheit.

Wie schmerzlich das „Aufsichselbstzurückgeworfensein“ ist, haben wir vor einiger Zeit während der Corona-Beschränkungen erfahren müssen. „Social Distancing“ – soziales Abstand halten – als Ausdruck von Fürsorge; eigentlich ein Widerspruch, wenngleich in der Situation im vorigen Jahr notwendig.

 

 Doch mit dem Wissen um die Zerbrechlichkeit unseres Zusammenseins sollten wir jede Gelegenheit ergreifen, das Leben zu feiern. Wann immer es geht. Vielleicht erinnern wir uns an den berühmten Satz von Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

 

Leben wird von Begegnungen bestimmt. Unser Ich entfaltet sich nur in der Begegnung mit einem Du. Die Begegnung von Ich und Du verbindet sich zu einer Beziehung. Wir finden uns in einem Zustand des „Aufeinanderbezogenseins“.

 

Und das Schöne ist, wir können selbst die Brücke sein, die Begegnungen ermöglicht. Durch ein hilfreiches Wort, einen aufmunternden Blick, ein mitfühlendes Herz, ein fröhliches Lachen oder offene Arme. Wir können Gastgeber für das Leben sein. Von dem Liedermacher Gerhard Schöne gibt es ein Lied mit dem schönen Titel: „Spar deinen Wein nicht auf für morgen.“ Daher mögen ihm die letzten Zeilen gehören:

 

Spar deinen Wein nicht auf für morgen.

Sind Freunde da, so schenke ein!

Leg was du hast in ihre Mitte.

Durchs Schenken wird man reich allein.

 

Lied: Brich mit den Hungrigen dein Brot (Ev. Gesangbuch 420, 1-5)

420:1 Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.

420:2 Such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied.

420:3 Teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort.

420:4 Sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot.

420:5 Sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus, such mit den Fertigen ein Ziel.

 

Fürbittengebet

Zu dir kommen wir, Gott. Du bist gut, von deiner Güte leben wir.

Lass uns gut sein zueinander und zu uns selbst.

Lass uns barmherzig sein miteinander und mit uns selbst.

 

Wir denken an die Menschen, die hungern, hungern nach Brot und danach, endlich satt zu werden und keine Sorge mehr haben zu müssen um das tägliche Brot. Keiner soll mehr verhungern.

Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

 

Wir denken an die Menschen, die hungern, hungern nach Leben, danach, endlich in Frieden und Freiheit und ohne Angst zu leben.

Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

 

Wir denken an die Menschen, die hungern, hungern nach Gerechtigkeit, danach, endlich ohne Gewalt und Terror zu leben.

Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

 

Wir denken an die Menschen, die hungern, hungern danach, nicht mehr allein zu sein, danach endlich, Teil einer Gemeinschaft zu werden. Gott, wir bitten dich, erhöre uns.

 

Gott, du schenkst Leben, du füllst die Erde mit Gutem und sättigst alles, was lebt.

Darauf lass uns vertrauen, dass wir tun, was dir und dem Leben dient.

 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Bitte schauen Sie auch auf unsere Homepage www.oelga-kirche.de.

 

Pastor Norbert Paul


Häusliche Andacht zum vierten Sonntag nach Trinitatis  

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

in dieser Woche war Halbzeit! Nicht nur beim nervenaufreibenden Spiel Deutschland : Ungarn, sondern auch im Jahr. Am 24. Juni war Johannistag, genau ein halbes Jahr vor dem Weihnachtsfest, feiern wir die Geburt Johannes des Täufers. Johannes hat Jesus den Weg bereitet, möge Jesus Christus auch uns entgegen gehen.  So grüßen wir mit dem Spruch zum Fest:Im Frieden unseres Gottes.

[Dies ist das Zeugnis Johannes des Täufers:] Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Joh 3, 30)

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

EG 141 Wir wollen singn ein’ Lobgesang

1. Wir wollen singn ein’ Lobgesang

Christus dem Herrn zu Preis und Dank,

der Sankt Johann vorausgesandt,

durch ihn sein Ankunft macht bekannt.

2. Die Buß er predigt in der Wüst:

»Euer Leben ihr bessern müsst,

das Himmelreich kommt jetzt herbei,

tut rechte Buß ohn Heuchelei!«

3. Man fragt ihn, ob er Christus wär.

»Ich bin’s nicht, bald wird kommen er,

der lang vor mir gewesen ist,

der Welt Heiland, der wahre Christ.«

4. Er zeigt ihn mit dem Finger an,

sprach: »Siehe, das ist Gottes Lamm,

das trägt die Sünd der ganzen Welt,

sein Opfer Gott allein gefällt.

5. Ich bin viel zu gering dazu,

dass ich auflösen sollt sein Schuh;

taufen wird er mit Feu’r und Geist,

wahrer Sohn Gotts er ist und heißt.«

6. Wir danken dir, Herr Jesu Christ,

des Vorläufer Johannes ist;

hilf, dass wir folgen seiner Lehr,

so tun wir dir die rechte Ehr.

 

Eingangsgebet

Guter Gott, du Trost deiner Kirche, du hast deinen Sohn den Weg bereitet durch Johannes den Täufer: Hilf uns, dass auch wir seinem Ruf folgen und immer wieder führen lassen auf dem Weg des Heils und Lebens. Darum bitten wir dich:  Gott, unseren Vater, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder Jesus Christus, und dich, heiligen Geist, heute und in Ewigkeit. Amen.

 

Angedacht- zu Lukas 1

I. Machtwörter

Wir haben’s gehört. Worte haben wir gehört. Musik haben wir gehört. Und Gesang mit Worten. Wir haben’s gehört. Und wißt Ihr was?

Worte sind mächtig.Sehr mächtig. Mit einem einzigen Wort kann ich jemanden am Boden zerstören. »Du bist das Letzte« – vielleicht im Streit dahergesagt. Aber manchmal schlägt das eine Wunde,

die nie wieder heilt. Oder: »Ich liebe Dich.«  Auf einmal ist da eine völlig neue Welt zwischen zwei Menschen. Worte sind mächtig:

»Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil …« Und dann ist einer freigesprochen oder ein Gefangener. Oder: »Es tut mir leid«. Auf einmal ist da etwas freigelassen, Neues fängt an. Worte sind mächtig.

II. In der Mitte

Johannistag.

Da hören wir sonst immer von Johannes dem Täufer.

Wegbereiter Jesu. Prominente Figur im Neuen Testament

und in Gottes Geschichte mit der Welt. Johannes der Täufer: Gestern war sein Tag. In der Mitte des Jahres. Sechs Monate nach Weihnachten

und sechs Monate vor Weihnachten.  Johannes: Der Mann in der Mitte.

Und auch ein Mann von klaren Worten. Worte, die die Welt bewegt haben. Worte, über die man gut nachdenken kann

in der Mitte des Jahres.

III. Lebensgeschichte

Heute hören wir aber nicht von Johannes. Wir hören von seinen Eltern.

Zacharias und Elisabeth. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Die beiden waren kinderlos. Und inzwischen waren sie alt. Kaum mehr Hoffnung. Eines Tages erscheint dem Zacharias ein Engel. Zacharias war Priester und tat seinen Dienst im Tempel. Und da stand der Engel da. Gabriel mit Namen. Und er sagt: Ihr werdet einen Sohn haben in Eurem Alter. Und der wird groß sein. Er wird in Gottes Auftrag reden.

Zacharias ist völlig überwältigt. Und er fragt: Wie kann ich das glauben? Da sagt der Engel Gabriel: Ich gebe Dir ein Zeichen.

Du wirst stumm werden. Stumm, bis das Kind geboren ist. Daran siehst Du, dass meine Worte wahr sind.

IV. Schweigezeichen

Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Zacharias verstummt und bleibt stumm. Elisabeth wird schwanger. Das Kind wird geboren. Worte haben große Macht – merkwürdig, dass die Geschichte Johannes des Täufers

mit einem Verstummen anfängt – mit einem großen Schweigen.

Merkwürdig. Und doch auch nicht. Es ist auch nicht so, dass das Stummsein des Zacharias  eine Strafe gewesen wäre, so nach dem Motto: Du hast mir nicht geglaubt, nun mußt Du verstummen.

Nein, das ist falsch. Zacharias’ Schweigen war ein Zeichen. Und noch etwas mehr.

IV. Langsam!

Worte haben große Macht. Sie können ein Leben in Sekunden verändern. Können es verletzen und zerstören – können es heilen und glücklich machen.

Aber: Worte werden auch schnell dahergesagt. Manchmal viel zu schnell. Und all das Geplärre und Getöne, Stimmungen und Meinungen,

vom gut Gemeintem bis zu Haß und Hetze: Worte sind manchmal viel zu schnell in der Welt. Das merken wir ja grade live. Und bei einer der wichtigsten Geschichten der Welt – bei der Geburt von Johannes dem Täufer – da fängt es erst einmal mit Schweigen an. Zacharias verstummt. Neun Monate Schweigen. Erst einmal Stille. Stille vor den Worten. Das kann sehr wichtig sein. Erst einmal schweigen. Und dann reden. Dann erst Worte sagen. Die richtigen Worte. Die, auf die es ankommt. Schon das kann ich aus dieser Geschichte lernen.

V. Entscheidender Punkt Die neun Monate sind um. Das Kind ist geboren.  Es soll einen Namen bekommen. Noch ist der Zacharias still.

Der Engel hatte den Namen des Kindes schon genannt: »Johannes.« Auf Hebräisch: »Jo-chanan«. Auf Deutsch: »Gott ist barmherzig«. Die Mutter, Elisabeth, nennt den Namen. Man glaubt ihr nicht. Und da – genau da – findet Zacharias die Sprache wieder. Nach langem Schweigen sagt er das entscheidende Wort: »Er heißt Johannes« – Er heißt: »Gott ist barmherzig«.

VI. Schweigen lernen

Das entscheidende Wort. Das entscheidende Wort nach langem Schweigen. Es hat gewartet in Zacharias.  Es ist gereift und gewachsen in dieser langen Zeit der Stille. und dann war es da: »Gott ist barmherzig«. Das war das erste Wort, was Zacharias zu sagen hatte.

Das ist das Wort, was wir der Welt zu sagen haben: Das Wort von Gottes Barmherzigkeit und Liebe.  Und ich glaube, wir müssen lernen.

Schweigen lernen. Üben, die Worte reifen zu lassen. Denn Worte haben riesengroße Macht. Macht, zu heilen und Macht zu verletzen.

Macht, glücklich zu machen und Macht, zu zerstören. Manchmal sagen wir unsere Worte sehr viel zu schnell. Und dann ist es passiert. Lernt Schweigen. Laßt Eure Worte langsam werden. Dass es gute Worte werden. Die haben wir der Welt zu sagen. Und das wichtigste unserer Worte ist dies: »Gott ist barmherzig«. Das gilt. Heute zum Johannisfest. Und immer.

Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Pfarrer Michael Greßler

 

EG 225 Komm, sag es allen weiter

Komm, sag es allen weiter,

ruf es in jedes Haus hinein!

Komm, sag es allen weiter:

Gott selber lädt uns ein.

1. Sein Haus hat offne Türen,

er ruft uns in Geduld,

will alle zu sich führen,

auch die mit Not und Schuld.

2. Wir haben sein Versprechen:

Er nimmt sich für uns Zeit,

wird selbst das Brot uns brechen,

kommt, alles ist bereit.

3. Zu jedem will er kommen,

der Herr in Brot und Wein.

Und wer ihn aufgenommen,

wird selber Bote sein.

 

Fürbittengebet und Vaterunser

Das Jahr steht auf der Höhe,  die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen

und Ende und Beginn laß uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. Das Jahr lehrt Abschied nehmen schon jetzt zur halben Zeit.

Wir sollen uns nicht grämen, nur wach sein und bereit, die Tage loszulassen und was vergänglich ist, das Ziel ins Auge fassen, das du, Herr, selber bist. Du wächst und bleibst für immer, doch unsre Zeit nimmt ab. Dein Tun hat Morgenschimmer, das unsere sinkt ins Grab.

Gib, eh die Sonne schwindet, der äußre Mensch vergeht, dass jeder zu dir findet und durch dich aufersteht.

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn Dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Amen.

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

EG 504, 5+6 Himmel, Erde, Luft und Meer

5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.

6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin

 

Herzlich Einladung zu dem Freiluftgottesdienst

am Sonntag, 27. Juni 2021, um 17:00 Uhr neben der St. Andreaskirche zu Gadenstedt mit Pastor D. C. Rohrlack.

 

Texte von: Pfarrer Michael Greßler‚ VELKD und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Andacht für zu Hause, 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. Juni 2021

 

Liebe Ölsburger und liebe Gadenstedter!

 

Wir feiern unsere Andacht zu Hause. Alleine oder im Kreis der Familie. Bei Gott sind wir alle willkommen. Besonders wenn wir etwas verloren haben, sind wir bei Gott richtig. Denn darum geht es heute: Um das Verlieren und um das Wiederfinden. In Gottes Nähe sollst du finden, was dich selig, ja überglücklich macht. Segen soll dir den Rücken stärken – über diesen Tag hinaus. Außer dir sein sollst du vor Freude, weil du findest, was dich heil und ganz werden lässt. Wir suchen nicht allein. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Der biblische Leitvers (Luk. 19,10) für die neue Woche begleitet uns auch in unserem Singen, Beten und Lesen.

 

Wir grüßen Sie und Euch alle sehr herzlich, Ihre/Eure Pastoren Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

(Die Glocken läuten.) Wir entzünden eine Kerze.

 

Jesus sagt:

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Ich feiere/wir feiern diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Eingangsgebet

Mein Gott, ich bekenne dir, wie sehr es mich schmerzt, dass mir meine Zeit wie Sand durch Finger rinnt. Ich bekenne dir, wie sehr es mich verunsichert, wenn ich nicht die Kontrolle über mein Leben habe. Ich bekenne dir, wie mich meine Trauer daran hindert, neu das Glück zu suchen. Ich bekenne dir, dass ich mir einen Fehltritt einfach nicht verzeihen kann.

An all dem trage ich schwer. Darum, mein Gott, bitte ich dich: Mache mich leicht und erfülle mich mit neuer Freude. Vergib mir meine Vergesslichkeit. Amen

 

Lied: Fürchte dich nicht (Ev. Gesangbuch 595, 1-3)

595:1 Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

595:2 Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

595:3 Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

 

Bibeltext: Lukas 15, 1-10

1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Vom verlorenen Schaf

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? 5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Vom verlorenen Groschen

8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

 

Angedacht

Jesus nimmt die Sünder an. Das ist, zu Beginn des Gleichnisses, die Feststellung von Pharisäern und Zöllnern. Niemand wird ihnen verdenken, dass sie sich zumindest wundern. Sie sind rechtschaffene Menschen und sind wohl zum Teil verärgert, wenn andere sich nicht an Recht und Gesetz halten. Die praktische Frömmigkeit gilt für alle, wissen sie und haben damit schon wieder Recht. Nur hilft ja dieses Rechthaben allein nicht, wenn andere es übertreten. Mit ernsten Verweisen kommt man meist nicht sehr weit, wenn jemand ernsthaft und meist wissentlich das Gesetz übertreten hat. Da braucht es mehr als Recht, mehr als Verweise und Mahnungen, weiß Jesus. Da braucht es Verständnis.

 

Und mit dem Wort „Verständnis“ sind wir bei einem außerordentlichen Vertreter dieser Tugend, bei Inspektor Columbo. Dessen Schauspieler Peter Falk starb vor zehn Jahren (23.6.) in den USA mit fast 84 Jahren. 35 Jahre und 70 Fälle löste der kleine, etwas gebeugte Mann im immer gleichen Knittermantel und mit Zigarre. Er löste die Fälle durch Verstehen wollen und Nachdenken. Und weil sich Inspektor Columbo meist unwissend stellte, gab er den vermuteten Tätern die Möglichkeit, sich bis zur Selbstentlarvung zu erklären. Die Täter, die wir Zuschauer immer schon kannten, redeten gerne, um ihre Unschuld zu beteuern. Und sie redeten so lange, bis nur noch ihre Schuld möglich war. Sie machten den Fehler, den Inspektor nie so richtig ernst zu nehmen. Und er gab ihnen die Möglichkeit, dies zu tun. Er untertrieb – und sie redeten sich um Kopf und Kragen.

 

Verständnis ist eine große Tugend. Jesus hatte sie. Dazu gehört vor allem, dass man nicht urteilt und schon gar nicht verurteilt. Wessen Tat man nicht versteht, muss man deswegen noch nicht verurteilen. Zuhören ist besser und hilft weiter. Vermutlich beherrschte Jesus das meisterhaft. Wenn sich allerlei Zöllner und Sünder Jesus nahten, dann vermutlich deshalb, weil sie erst einmal um keine Verurteilung fürchten mussten. Und oft gerade deshalb ihre Taten eingesehen haben. Wenn andere Verständnis ausstrahlen, versteht man sich auch selber besser. Und versucht, sich zu ändern oder zu bessern. Wer Verständnis hat, versteht deswegen Täter und Tat noch nicht. Man verzichtet nur auf ein zu schnelles Urteil. Weil man, wie Jesus und wohl auch Inspektor Columbo, um die vielerlei Schwächen von Menschen weiß.

 

Lied: Jesus nimmt die Sünder an (Ev. Gesangbuch 353, 1-4)

353:1 Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

353:2 Keiner Gnade sind wir wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt. Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgetan: Jesus nimmt die Sünder an.

353:3 Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst, suchet treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

353:4 Kommet alle, kommet her, kommet, ihr betrübten Sünder! Jesus rufet euch, und er macht aus Sündern Gottes Kinder. Glaubet's doch und denket dran: Jesus nimmt die Sünder an.

 

Fürbittengebet

Du Gott voller Güte, dein Sohn hat der Welt gezeigt, dass du jedem Menschen nachgehst, der verloren scheint. Wir danken dir für deine Treue. Und wenden uns mit unseren Bitten zu dir:

 

Hilf uns dein Wort halten, damit wir verlässlich für unsere Mitmenschen und in unserem Reden und Handeln wahrhaftig sind.

 

Hilf uns, dass wir noch mehr auf uns achten und die im Blick behalten, die in Not sind.

 

Hilf uns, die Kinder zu achten, damit sie ihre Fantasie und ihre Neugier aufs Leben ungehindert entfalten können.

 

Hilf uns, die Alten zu achten, damit wir die Schätze der Lebenserfahrung und Weisheit heben.

 

Hilf uns, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, wo das Leben schwankt.

 

Hilf uns, die glücklichen Momente unseres Lebens nicht zu vergessen, damit wir von ihnen in schweren Zeiten zehren können.

 

Du Gott voller Güte, komm und rette uns mit deiner himmlischen Kraft, damit deine Erde erfüllt wird mit Jubel über dich, den Sucher und Finder unseres Lebens.

 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Pastor Norbert Paul


Häusliche Andacht zum zweiten Sonntag nach Trinitatis  

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger, eine Heimat zu haben, einen Ort, wo ich ich sein darf -  der, der ich bin. Mit meiner Freude, aber auch mit meinen Tränen. Dies zu wissen tut gut. Gott lädt mich ein in sein Haus, zu ihm darf ich kommen. So grüßen wir mit dem Wochenspruch:Im Frieden unseres Gottes.

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt 11,28)

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

EG 168 Du hast uns, Herr, gerufen

1.     Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier. Du hast uns, Herr, gerufen und darum sind wir hier. Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir. Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

2.     Du legst uns deine Worte und deine Taten vor. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor. Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr. Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

3.      Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

 

Eingangsgebet

Guter Gott, dein Haus hat offene Türen, zu dir dürfen wir kommen mit unserer Freude und auch mit unseren Tränen. Dafür danken wir dir und loben dich. Dich Gott, unseren Vater, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder Jesus Christus, und dich, heiligen Geist, heute und in Ewigkeit. Amen.

 

Angedacht- zu 1. Korinther 14

Ich bin 1,61 cm.  Meine Brüder sind größer. Ein Einzelbett ist 2,00 m x 0,9 m. Mit dem Zollstock wird es genau. Der Abstand zwischen den Bildern. Die Länge der Diele. Der Zollstock kennt das richtige „Maß“.

Mit ihm kann ich die Welt vermessen. Das Haus. Meine Wohnung. Meinen Schrank. Es ist leicht Maß zu nehmen. Die Welt in richtig und falsch einzuteilen. Groß und klein. Der Weltvermesser ist verstaut. In meinem Werkzeugkoffer. Einer aber ermahnt mich. „Maß“ zu halten.

Das richtige Wort zur richtigen Zeit. Essen, Schlaf, Urlaub. Freude und Tränen.  Manchmal ist es soweit. Da ist das Maß voll. Einer misst mit anderem Maß.  Dann, wenn du gemessen wirst. Erfolgt, Leistung, Aussehen. Haus, Auto und Partner*in. Einer misst mit einem anderen Maß.  Legt anderen Maßstab an. Predigttext 1. Korinther 14,1-12

1Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe! Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt – vor allem aber danach, als Prophet zu reden. 2Wer in unbekannten Sprachen redet, spricht nicht zu den Menschen, sondern zu Gott. Denn niemand versteht ihn. Was er unter dem Einfluss des Geistes sagt, bleibt vielmehr ein Geheimnis.3Wer dagegen als Prophet redet, spricht zu den Menschen. Er baut die Gemeinde auf, er ermutigt die Menschen und tröstet sie.4Wer in unbekannten Sprachen redet, baut damit nur sich selbst auf. Wer aber als Prophet redet, baut die Gemeinde auf. 5Ich wünschte mir, dass ihr alle in unbekannten Sprachen reden könntet. Noch lieber wäre es mir, wenn ihr als Propheten reden könntet. Wer als Prophet redet, ist bedeutender als derjenige, der in unbekannten Sprachen redet – es sei denn, er deutet seine Rede auch. Das hilft dann mit, die Gemeinde aufzubauen.

Einer schreibt.  Er ist weit weg. Aber Freund:innen schreiben sich.

Und nun sitzt er da. Und die Feder kratzt über das Pergament. Paulus nimmt Maß. Das ist sowas wie „jemanden den Kopf waschen“,

„Licht ans Fahrrad machen“, auf den „rechten Weg bringen“. Paulus holt das Maß aller Dinge hervor und schreibt. An die Menschen in Korinth. Den Christinnen und Christen.

6Was wäre, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch komme und in unbekannten Sprachen rede. Was habt ihr davon, wenn ich euch nichts Verständliches vermittle? Das kann eine Vision sein oder eine Erkenntnis, eine prophetische Botschaft oder eine Lehre. 7 So ist es ja auch bei den Musikinstrumenten, zum Beispiel bei einer Flöte oder Leier: Nur wenn sich die Töne unterscheiden, kann man die Melodie der Flöte oder Leier erkennen. 8 Oder wenn die Trompete kein klares Signal gibt, wer rüstet sich dann zum Kampf? 9Genauso wirkt es, wenn ihr in unbekannten Sprachen redet. Wenn ihr keine verständlichen Worte gebraucht, wie soll man das Gesagte verstehen können? Ihr werdet in den Wind reden! 10Niemand weiß, wie viele Sprachen es auf der Welt gibt. Und kein Volk ist ohne Sprache. 11Wenn ich eine Sprache nicht verstehe, werde ich für den ein Fremder sein, der sie spricht. Und wer sie spricht, ist umgekehrt ein Fremder für mich. 12Das gilt auch für euch. Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes. Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen. Davon könnt ihr nicht genug haben.

„Bei uns sind schwarze Schuhe üblich“ Eine Frau nimmt Maß.

Unter dem Talar sind schwarze Schuhe üblich. Braun, rot und grün ist nicht zugelassen. So als gäbe es einen Maßstab um vor Gott gut zu sein.

Zugelassen sind nur Menschen mit folgenden Maßen.

Das klingt nach Boardgepäck und Flughafen. „Bitte nicht über … kg“

„Männer können ihre Kinder nicht ins Bett bringen,“ Eine Frau nimmt Maß. So als gäbe es ein Maß für Männer und Frauen. Ein richtig und falsch. Einen Maßstab, was normal oder unnormal ist. Das klingt nach Schwarz-Weißdenken. Nach der Diskussion ob Jungs rosa und Mädchen blau anziehen dürfen. Danach wer mit Autos spielt und wer mit Puppen. „Pfarrerin tragen keine kurzen Hosen. Sie fahren nicht Motorrad.“ Ein Mädchen ist lieb und brav und eine Junge weint nicht.

Gilt auch für die Großen. „Christen spielen keine Karten.“

Worte reißen Wunden. Sagen: „Du gehörst nicht zu uns.“

„Du musst dich ändern.“ „Wenn du zu uns gehören willst, dann erfülle das Maß.“ Nett aussehen und brav sein. Immer lächeln und nicht streiten. Worte reißen Wunden. Und sie sagen, du bist kein richtiger Christ. Wenn du zu uns gehören willst, dann musst du dich anpassen.

Deine Art. Dein Denken. Deine Sprache. „Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe! Strebt nach den Gaben, die der Heilige Geist schenkt […] 12Das gilt auch für euch. Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes. Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen. Davon könnt ihr nicht genug haben.“

Manche wissen es genau. So und nicht anders. In Korinth ist es bekannt.

Es sind genau die Worte. Wer mit Gott redet, soll so reden. Das ist wie „Das Gebet ist zu kurz.“ Gott ist nicht „zart“. Und die Sprache im Gottesdienst ist Latein.

Paulus schreibt. 9 Genauso wirkt es, wenn ihr in unbekannten Sprachen redet. Wenn ihr keine verständlichen Worte gebraucht, wie soll man das Gesagte verstehen können? Und wer sie spricht, ist umgekehrt ein Fremder für mich. 12Das gilt auch für euch. Ihr strebt nach den Gaben des Heiligen Geistes. Dann strebt nach Gaben, die die Gemeinde aufbauen. Davon könnt ihr nicht genug haben. Worte verbinden.

Und deshalb werfe ich sie über Bord. Die langen Schachtelsätze

Die Worthülsen. Fremdwörter. Und Phrasen. Das, was nur die verstehen, die es eh schon wissen.  Er erinnert mich an das Maß.

Und ans Maßhalten. Ans Messen und Vermessen. Das alle dazugehören.

Auch die, die anders sind. Anders lieben, fühlen, denken, reden.

Glaube kennt keine DIN-Norm. Einer hat anderen Maßstab angelegt.

Einer hat Zachäus vom Baum geholt. Kinder in den Arm genommen.

Frauen geschützt. Teilt Brot und Wein, mit denen, die am Rand stehen.

Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe. Teilt Brot und Wien mit denen, die niemand mag. Gott mag auch rote Schuhe. Farbtupfer an einem grauen Sonntagvormittag. Reden von einem Gott der zart ist und nicht nur allmächtig. „Setzt alles auf die Liebe“, sagt Paulus. Das meint Hinhören. Fragen stellen ohne sofort eine Antwort zu haben. Miteinander teilen. Gedanken, Fragen und Antworten. Zweifel und Anfragen. Eure Geschichte mit Gott. Gerade da, wo du bist. Geheimnisse, wenn das Vertrauen da ist. Bleibt unbeirrt auf dem Weg der Liebe. Setzt alles auf die Liebe. Dort, wo ihr gerade seid. Die Liebe gehört in die Welt. Und auch denen, die anders sind. Redet so, dass euch die Menschen verstehen, sagt Paulus. „Worte, die verwundete Herzen umarmen.“ Die Enttäuschten und Ausgegrenzten. Komischen und Zurückhaltenden. Die Draufgänger*innen und Zurückhaltenden.

Worte, die ermutigen und trösten. Von einem Gott, der zart ist. Mit grünen Schuhen und kurzen Hosen. Erzählt von Gott und allen Geschichten. Worte der Liebe. „Denn die verbinden. Mit Jesus. Euch und mich und die ganze Welt.“

Pfarrerin Michaela Jecht

 

EG 222 Im Frieden dein, o Herre mein

1. Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen. Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Maßen, hast mein Gesicht das sel’ge Licht, den Heiland, schauen lassen.

2. Mir armem Gast bereitet hast das reiche Mahl der Gnaden. Das Lebensbrot stillt Hungers Not, heilt meiner Seele Schaden. Ob solchem Gut jauchzt Sinn und Mut mit alln, die du geladen.

3. O Herr, verleih, dass Lieb und Treu in dir uns all verbinden, dass Hand und Mund zu jeder Stund dein Freundlichkeit verkünden, bis nach der Zeit den Platz bereit’ an deinem Tisch wir finden.

 

Fürbittengebet

Treuer Gott, wir danken dir. Die Schöpfung lebt von deinen Gaben.

Mit deinem Atem gibst du ihr das Leben. Mit deiner Liebe gibst du ihr das Ziel. Mit deinem Wort gibst du ihr deine Nähe.

 

Wir bitten dich um deinen Atem für die Kranken und für alle, die sich fürchten, krank zu werden. Wir bitten dich um deinen Atem

für die bedrohte Schöpfung, für die ausgeplünderten Länder und alle, die sie bewohnen. Schenke deinen Atem und erbarme dich.

 

Wir bitten dich um deine Liebe für unsere Kinder und für alle, die sich in diesen Monaten mit Sorgen aufreiben. Wir bitten dich um deine Liebe für die Menschen, die über andere bestimmen und für alle, die ihre Kraft für andere einsetzen. Schenke deine Liebe und erbarme dich.

 

Wir bitten dich um dein Wort zu den Ratlosen und zu den Suchenden,  zu allen, die von Zweifeln geplagt werden. Wir bitten dich um dein Wort zu deiner weltweiten Kirche, zu unserer Gemeinde und

zu allen, die nach dir fragen. Gib uns dein Wort und erbarme dich.

 

Treuer Gott, wir danken dir. Deine guten Gaben lassen uns leben.

Sei allen nahe, die wir lieben. Sei allen nahe, die uns anvertraut sind.

Sei uns nahe in dieser Zeit. Durch Jesus Christus loben wir dich

und bitten dich: Erbarme dich.

Amen.. 

 

Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten:  Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

EG 504,1  Himmel, Erde, Luft und Meer

1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu

 

Herzlich Einladung zu dem Freiluftgottesdienst

am Sonntag, 13. Juni 2021, um 17:00 Uhr neben der St. Andreaskirche zu Gadenstedt, mit Pastor D. C. Rohrlack.

 

Texte von: Pfarrerin Michaela Jecht‚ VELKD und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.d


Andacht für zu Hause am 6. Juni 2021

 

Liebe Gadenstedter und liebe Ölsburger!

 

Endlich die ersten warmen Tage in diesem Jahr. Viele haben in dieser Woche im Garten gesessen, dort Kaffee getrunken oder gegrillt und sich der Sonnenstrahlen erfreut. Und zur Hebung der Stimmung haben selbstverständlich auch die sinkenden Coronazahlen beigetragen. Immer mehr geht es derzeit in Richtung Normalität. Darüber sind wir froh und dankbar! Selbst das Singen bei unseren Gottesdiensten ist wieder erlaubt. Dennoch sind wir vorsichtig. Zwei Monate lang gibt es weiterhin nur ein eingeschränktes Gottesdienstangebot und wenn es geht, werden die Gottesdienste im Freien gefeiert. Umso wichtiger sind unsere Andachten für zu Hause, hier gedruckt oder auf unserer Homepage als Video abrufbar. Feiern Sie im Kreis Ihrer Familie, mit anderen Christinnen und Christen, wie es die aktuellen Coronaregelungen gerade zulassen. Sie alle, wir alle, sind verbunden durch den guten Geist Gottes!

 

So grüßen wir Sie und Euch herzlich,

Ihre/Eure Pastoren Dominik C. Rohrlack und Norbert Paul

(Die Glocken läuten.) Wir entzünden eine Kerze.

 

Jesus sagt:

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Ich feiere/wir feiern diese Andacht im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

Eingangsgebet

Herr, unser Gott, wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Oft fällt es uns schwer zur Ruhe zu kommen. Vieles stürmt auf uns ein. Viele Erwartungen sind an uns gerichtet. Manchmal ist es kaum möglich allen Erwartungen gerecht zu werden. Wir fühlen uns überfordert. Herr, wir bitten dich, lass uns Ruhe in deiner Nähe finden. Du bewertest uns nicht nach der Vielzahl unserer Aktivitäten. Du hast Interesse an uns, weil du uns lieb hast. Lass uns das nicht vergessen. Stärke uns in unserem Glauben an dich durch die Kraft deiner Gegenwart und öffne uns Herzen und Hände für die, die uns brauchen. Amen

 

Lied: Geh aus mein Herz (Ev. Gesangbuch 503, 1-3+8)

503:1 Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

503:2 Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

503:3 Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

503:8 Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

 

Biblischer Text zum Sonntag: Jona Kapitel 1 und 2, 1.2+11

1 Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais: 2 Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen. 3 Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN. 4 Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen. 5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief. 6 Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben. 7 Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf's Jona. 8 Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du? 9 Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat. 10 Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt. 11 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer. 12 Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist. 13 Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an. 14 Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir's gefällt. 15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten. 16 Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.

1 Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. 2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches. 11 Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

 

Angedacht

Die Geschichte vom Propheten Jona ist ganz sicher eine der bekanntesten und auch beliebtesten Erzählungen aus dem Alten Testament: Fast jeder von uns hat vor dem inneren Auge die Bilder von damals, als man zum ersten Mal in der Kinderkirche oder im Religionsunterricht von dem Mann gehört hat, dem Gott den Auftrag gab, in Ninive zu predigen, und der vor diesem Auftrag und vor Gott selbst davonlaufen wollte; der im Sturm über Bord geworfen wird und von einem Fisch gerettet und nach drei Tagen wieder an Land gespuckt wird. Eine eindrucksvolle Geschichte - aber zugleich in mehrfacher Hinsicht auch eine ganz ungewöhnliche: Unter den Propheten des Alten Testaments ist Jona fast der Einzige, in dessen Buch nicht seine Predigten und Sprüche gesammelt sind. Jesaja, Amos und andere haben eindrucksvolle, wortgewaltige Predigten gehalten - die überlieferte Predigt des Jona dagegen besteht nur aus einem einzigen Satz: Noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen. Aus, fertig, das war alles. Stattdessen erzählt das Buch Jona die Geschichte des Propheten selbst; sein Schicksal wird sozusagen selber zur Predigt. Und das ist im Fall von Jona auch deswegen so ungewöhnlich, weil sein Tun ja alles andere als vorbildlich ist. Eigentlich tut er fast ständig das Gegenteil von dem, was Gott von ihm will, eigentlich sind er und Gott fast dauernd am Streiten.

 Jona wollte nicht. Aber er sagte nicht einfach „Nein“. Er versuchte nicht, einfach still sitzen zu bleiben und abzuwarten, was Gott denn wohl unternehmen würde. Er tat nicht, was wir wohl tun würden, wenn Gott etwas von uns will und wir keine Lust haben - ignorieren und so tun, als hätte man nichts gehört. Jona tat etwas ganz anderes.

Jona versuchte, vor Gott wegzulaufen und sich zu verstecken. So machte er sich auf zum einzig bedeutenden internationalen Hafen Israels, nach Jaffa. Dieses Jaffa gibt es heute noch, es ist das alte Hafenviertel von Tel Aviv, der größten Stadt des modernen Israel. Noch heute betritt man dort eine eigene Welt, orientalisch und fremdländisch. So war das auch damals schon. Die Philister hatten in dieser Gegend gesiedelt, ein Seefahrervolk wie bei uns die Wikinger, sturmerprobt und ohne Furcht vor dem Wasser. Da waren die Israeliten anders. Sie kamen aus den Halbwüsten und aus den Bergen, das Meer war ihnen fremd und unheimlich, sie waren alles andere als Wikinger, und sie sind nie zur See gefahren. Das Meer war für einen Israeliten der letzte Ort, wo er sein wollte - und demzufolge war es vielleicht auch der Ort, wo Gott nicht war. Jona also kam in diese Stadt, die selber schon eine fremde Welt war, und er fragte sich in einer Hafenkneipe durch, welches Schiff denn am weitesten nach Westen fahren würde, in die Gegenrichtung von Ninive, auf dem Gottes Auge ruhte. Und er fand tatsächlich ein Schiff mit Waren nach Tarsis; Tartessus wahrscheinlich, an der Küste des heutigen Spanien gelegen. Aus Jonas Sicht war das nicht nur das Ende der Welt - es war eigentlich schon darüber hinaus; unendlich weit weg von allem, was er kannte oder wovon er auch nur gehört hatte; eine Flucht ins Unbekannte, aber egal, Hauptsache weg aus dem Blick Gottes, weg von diesem Auftrag.

Jona brach alle Brücken hinter sich ab, tauchte unter, legte seine Identität ab und hoffte, Gott würde ihn vergessen. Aber es kam anders. Draußen auf dem Wasser trat genau das ein, was die Israeliten so sehr fürchteten am Meer: Ein Sturm kam auf, und nicht nur irgendeiner; keiner, der die Landratten ein bisschen durchschüttelt und erschreckt, und bei dem die Seeleute erst anfangen, munter zu werden. Nein, dies war ein ausgewachsenes Toben, und auch die sturmerprobten Matrosen bekamen es allmählich mit der Angst zu tun. Der Wind zerriss die Segel und schleuderte das Schiff wie eine Nussschale über die Wellenkämme, das Wasser drang schneller ein, als die Seeleute es ausschöpfen konnten, der Untergang schien beschlossene Sache. In solch einer Lage werden auch die rauesten Seebären fromm. Es war ein zusammengewürfelter Haufen aus aller Herren Länder, aber jeder von ihnen hatte irgendeinen Talisman oder ein kleines Götterbild, an das man sich wenden konnte, wenn alles andere versagte: Die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Wo war eigentlich Jona? Kaum zu glauben eigentlich bei dem Wetter, das tobte, aber er hatte sich unter Deck zurückgezogen und schlief. Hatte Jona so viel Gelassenheit und Gottvertrauen? Wohl kaum. Wahrscheinlich versuchte er eher, sich tot zu stellen, in der Hoffnung, dass dieser Albtraum irgendwie vorüber gehen würde. Irgendwann fanden die Seeleute ihn. Und abergläubisch, wie sie waren, hofften sie, dass es vielleicht der Gott dieses Fremden sein würde, der ihnen helfen konnte. Sie waren ratlos. Irgendeiner von ihnen, soviel war sicher, irgendeiner musste seinen Gott verärgert haben, der sich nun an ihm rächen wollte. Solche Geschichten haben sich die Seefahrer aller Zeiten im Sturm erzählt. Aber wer war der Schuldige? In ihrer Not warfen sie schließlich das Los und, o Wunder - es fiel auf Jona. Der versuchte noch nicht einmal, etwas abzustreiten, sondern erzählte ihnen seine Geschichte - und völlig resigniert meinte er, nun könnten sie ihn auch ruhig ins Meer werfen, vorher würde dieser furchtbare Gott ja sowieso keine Ruhe geben. Man muss es den Seeleuten lassen: Sie hatten Anstand und Ehre im Leib. So raue Gesellen sie auch waren - aber einen einfach über Bord werfen, das ging dann doch nicht. Mit allen Kräften und Rudern versuchten sie zunächst, doch noch eine Küste zu erreichen - aber vergebens. Irgendwann sahen sie ein, dass das Ganze keinen Zweck mehr hatte und sie Einen opfern mussten, damit die Anderen überleben würden. Sie entschuldigten sich bei dem ihnen zuvor noch unbekannten Gott und brachten ihm ein paar Opfer dar - und dann packten sie Jona und schmissen ihn über Bord. Fast augenblicklich beruhigte sich das Meer, und in der plötzlichen Stille sahen sich die Seeleute verwirrt und betroffen an. Sie brauchten eine Weile, um dieses Erlebnis zu verdauen, und bei ihrem nächsten Besuch in Jaffa erkundigten sie sich etwas genauer, was es denn mit diesem Gott der Hebräer auf sich hatte, der sich offensichtlich doch auch als Schutzgott für Seefahrer so glänzend eignete. Jona dagegen war wahrscheinlich fast sofort untergegangen - höchst unwahrscheinlich, dass er schwimmen konnte, und vielleicht hätte er es noch nicht einmal versucht. Er ließ sich einfach sinken und hoffte, dass es schnell vorbei sein würde mit ihm. Aber dann geschah das Unerwartete, das, was seiner Geschichte eine so überraschende Wende gab, und was sich uns so eingeprägt hat. Gott schickte einen großen Fisch, der Jona verschluckte und ihn drei Tage in seinem Bauch mit sich trug. Jona im Bauch des Fisches, und dann auch noch singend und betend - das ist eine Szene, die man ausmalen konnte. Sie ist zum Symbol geworden für allerlei Gefahren, in die wir uns, oft genug durch eigene Schuld, begeben, und in denen Gott uns auf wunderbare Weise bewahrt.

 

Lied: Vertraut den neuen Wegen (Ev. Gesangbuch 395, 1-3)

395:1 Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

395:2 Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

395:3 Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

 

Fürbittengebet

Herr, unser Gott, du hast uns zusammengeführt zu einer Gemeinschaft. Wir sind ein reich beschenktes Land und danken dir für deine Barmherzigkeit und Treue. Du lässt uns unter dem Segen des Friedens wohnen. Wir denken heute an die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns. Die krank sind und womöglich nicht gesund werden können. Die in Kriegen leiden und die die dabei ums Leben kamen. Ihr Tod ist so unsinnig und bringt so viel Leid. Lass uns deine Nähe spüren und deine Liebe weitergeben.

Hilf uns zu Frieden beizutragen, im Kleinen anzufangen, damit daraus Größeres entstehen kann.

Sei du bei denen, die wir nicht erreichen können, zeig ihnen gute Wege, die ihnen in ihrem Leben Sicherheit geben. Und gib ihnen Halt, wenn sie ins Straucheln geraten.

Herr, bleib bei uns und lass uns erkennen, wenn wir auf Irrwegen sind, zeige uns deinen guten Weg.

 

Vaterunser

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.

Amen

 

Lektorin Annerose Scheller und Pastor Norbert Paul

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht zum Trinitatisfest

Im Frieden unseres Gottes.

Liebe Gadenstedter und Ölsburger, wie ist Gott? Keine leicht zu beantwortende Frage. Nicht nur als Menschen sind wir verschieden, sondern auch in unseren Erfahrungen mit Gott sind wir verschieden. Gott ist mehr als ich begreifen kann. Das Trinitatisfest zeugt davon, wie schon lange vor uns Menschen den einen Gott erfahren haben. Als Gott, den Ursprung des Lebens, als Schöpfer und Vater, als Mensch in Jesus, der zu uns Menschen als ein Mensch kam und als Gottes Heiliger Geist, der auch heute noch in seiner Kirche ist, sie bewegt und sie in ihrer Vielfalt erfüllt. So grüßen wir mit dem Wochenspruch:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Kor 13, 13)

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

 

EG 628 O Heilige Dreifaltigkeit

1.     O Heilige Dreifaltigkeit, o hochgelobte Einigkeit, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, heut diesen Tag mir Beistand leist!

3.     Des Vaters Huld mich heut anblick, des Sohnes Weisheit mich erquick, des Heilgen Geistes Glanz und Schein erleucht meins finstren Herzens Schrein.

4.     Mein Schöpfer, steh mir kräftig bei, Christ, mein Erlöser, hilf mir frei, o Tröster wert, weich nicht von mir, mein Herz mit werten Gaben zier.

5.     Herr, segne und behüte mich, erleuchte, Herr, mich gnädiglich, Herr, heb auf mich dein Angesicht, und deinen Frieden auf mich richt!

 

Eingangsgebet

Dreieiniger Gott, du hast uns in diese Erde gerufen. Du selber begegnest und als Mensch in Jesus. Dein Geist umgibt uns mit deiner Hoffnung. Dich Gott, unseren Vater, deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, und dir, Heiliger Geist, sei Lob und Preis in alle Ewigkeit. Amen.

 

Präfamen:
Von Neuem geboren werden - das ist nicht nur für uns rätselhaft. Wie soll es geschehen? Jesus erklärt, dass der Mensch durch das Wasser und den Geist erneut geboren wird - er wird ein neuer Mensch. Dieser neue Mensch ist nicht mehr auf sich bezogen, sondern auf Gott.

 

Evangelium nach Johannes im 3. Kapitel

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

 

Angedacht

18 Jahre, 7 Monate und 3 Tage. So lange war es her, seit für sie ein neues Leben begonnen hatte. Seit sie den letzten Tropfen Alkohol getrunken hatte. So lange schon war meine Freundin trockene Alkoholikerin. Von ihrem alten Leben hat sie mir wenig erzählt. Nur dass sie nach schweren Erlebnissen mit dem Trinken begonnen hatte und es irgendwann außer Kontrolle geriet. Dass ihre Töchter sehr darunter litten. Und irgendwann war sie dann ganz unten. Da ging gar nichts mehr.

Was den Umschwung gab, warum sie den Entschluss fasste, trocken zu werden, erzählte sie nicht. Aber davon, wieviel ihr das Gelassenheitsgebet, das sie bei den Anonymen Alkoholikern kennenlernte, jeden Tag Kraft gab:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Ein Neuanfang und ein neuer Geist in ihrem Leben. Für meine Freundin veränderte sich mit dem Trockenwerden ihr Leben. Die Beziehung zu ihren Töchtern wurde wieder stärker, ja sogar innig. Sie konnte wach und bewusst sehen, wie ihre Enkelkinder geboren und groß wurden. Wo sie früher manches weggetrunken hatte, setzte sie sich nun mit Schwierigkeiten auseinander. Und statt Alkohol stand immer ein Becher Cappuccino auf ihrem Küchentisch, wenn ich kam.

In ihrer Nachbarschaft war Alkohol, zu viel Alkohol weiter ein Thema. Aber meine Freundin blieb stark. Blieb bei ihrem Entschluss. Jeden Tag. 18 Jahre, 7 Monate und 3 Tage und mehr.

„Wie kann denn ein Mensch geboren werden, der schon alt ist? Man kann doch nicht in den Mutterleib zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden!« Nikodemus kann sich das nicht vorstellen. Leben geht für ihn vorwärts. Nicht zurück auf Anfang.

Neu anfangen, das könnte man nur, wenn man neu auf die Welt kommt. Und das ist ja völlig absurd.

Nikodemus ist einer, der nach den Regeln der Thora, den Vorschriften Gottes, lebt. Bis ins Kleinste bestimmen sie seinen Alltag: sein Essen, sein Trinken, was er tut und lässt. Und für Nikodemus ist klar: das ist der Weg, um zu Gott zu kommen. In den Himmel. Für solche, die nicht so fromm leben, ist der Himmel zu. Nikodemus gehört zu denen, zu denen man aufblickt: zu den Pharisäern, den besonders Frommen. In seinen Kreisen blickt man auf die herab, die nicht so fromm sind. Auf die, mit denen Jesus sich umgibt: Zöllner und Sünder, ehemalige Prostituierte, rauhe Kerle.

Vielleicht kommt Nikodemus deshalb im Schutz der Nacht zu Jesus. Damit seine Freunde nicht sagen: Mit so einem gibst Du Dich ab? Aber neugierig ist Nikodemus schon auf diesen Mann, von dem so viel geredet wird.

Doch dann kommt Jesus mit dieser Idee der Neugeburt daher. Sagt: „Nur wenn jemand aus Wasser und Geist geboren wird, kann er in das Reich Gottes hineinkommen. Was vom Geist geboren wird, ist ein Kind des Geistes. Ihr müsst von oben her neu geboren werden.“

Rituelle Waschungen, um vor Gott rein zu werden, die kennt Nikodemus. Die gehören zu seinem Alltag. Aber was hat das mit dem Geist auf sich?

Jesu Jünger und Jüngerinnen ahnen, wovon Jesus redet. Aus Wasser und Geist geboren werden – damit muss Jesus die Taufe meinen. Jesus hatte ihnen davon erzählt: wie Johannes damals die Menschen zur Umkehr, zur Buße rief und sie taufte. Menschen, wie sie es waren: rauhe Kerle, Fischer, Bauern, Zöllner, Sünder, einfache Menschen, die einen Neuanfang mit Gott suchten.

Da war etwas in der Luft gewesen, was die Menschen bewegte, nicht zu greifen, aber voller Kraft. Das war der Tag, an dem auch Jesus getauft wurde und die Umstehenden vom Himmel die Worte hörten: „Das ist mein lieber Sohn!“ Jesus erzählte ihnen, es wäre der Heilige Geist selbst gewesen, den man an diesem Tag spüren konnte. Und dass für die Menschen damals am Ufer des Jordans dieser Tag der erste Tag eines neuen Lebens war.

Der erste Tag eines neuen Lebens, das Gottes Geist dir schenkt.

Deine Taufe.

Oder der Tag, an dem meine Freundin trocken wurde.

Der Tag, an dem Du Dich wieder mit jemandem versöhnst und wieder Frieden in deiner Seele findest.

Der Tag, an dem Du die Kraft findest, Dich aus einer schwierigen Situation zu lösen, und ein neues Leben beginnst.

Der Tag, an dem die Mauer fiel.

Der Tag, an dem Dir jemand eine zweite Chance gibt.

An solchen Tagen liegt Gottes Geist in der Luft. Und das Reich Gottes auch.

Und das Reich Gottes schmeckt nach Cappuccino und den ersten Westbananen. Nach Tränen und nach Freiheit. Nach Sekt und dem Duft von Taufkerzen und Torte. Nach Brot und Traubensaft beim Abendmahl.

Amen.

                                                        Pfarrerin Aletta Dahlhaus

 

EG  611 Gottes Liebe ist wie die Sonne

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.

1. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.

2. Sie kann dich verändern, macht das Leben neu.

 

Fürbittengebet

Du dreieiner Gott, du hast uns das Leben gegeben, du willst unser Glück, du lässt uns aufatmen.

Wir gehören zu dir. Wir sind deine Geschöpfe. So bitten wir dich

um Lebenskraft für deine Schöpfung. Wir bitten für die Kranken

in unserer Nachbarschaft und in der Ferne. Wir bitten für die Trauernden –du kennst ihre Namen. Schöpfergott - wir bitten für die Erschöpften.

Erbarme dich.

 

Wir gehören zu dir. Du rettest und bringst Frieden. So bitten wir dich

um Versöhnung in deiner Schöpfung. Wir bitten für die, die einander Feind sind – unter den Völkern, in unserer Gesellschaft,

in unserer Mitte. Wir bitten für die, die nach Rettung schreien –

in Gefängnissen, Folterkellern, auf der Flucht. Erlöser Jesus Christus – wir bitten für die Friedlosen.

Erbarme dich.

 

Wir gehören zu dir.

Du schenkst uns neuen Atem. So bitten wir dich um Hoffnung für deine Schöpfung. Wir bitten für die Suchenden – die Ratlosen und die die Wütenden. Wir bitten für die, die enttäuscht sind – von anderen Menschen, vom Glauben und der Kirche. Gott, Heiliger Geist – wir bitten für die Sehnsuchtsvollen.

Erbarme dich.

 

Du dreieiner Gott, schenke uns deinen Atem, deine Liebe und deinen Frieden heute und alle Tage.

Amen. 

Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten:  Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Lied EG 501

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein. Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß; drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß.

 

Herzlich Einladung zu den Freiluftgottesdiensten

am Sonntag, 30. Mai 2021 um 17:00Uhr neben der Trinitatiskirche in Ölsburg

und am

am Sonntag, 13. Juni 2021 um 17:00 Uhr neben der St. Andreaskirche zu Gadenstedt mit Pastor D. C. Rohrlack.

 

Texte von:                                                                                                                                           Pfarrerin Aletta Dahlhaus‚VELKD und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.d


Häusliche Andacht zum Pfingstfest

 

 

Im Frieden unseres Gottes.

Liebe Gadenstedter und Ölsburger, wir sind verschieden. Wir sind verschieden mit all unseren Geschichten, Vorstellungen, Erfahrungen und Überzeugungen. Wir sind verschieden und doch … gehören wir zusammen. An Pfingsten werden wir nicht gleich gemacht, sondern Gottes Geist schenkt uns die Fähigkeit auf den anderen zuzugehen. Wir sind verschieden und doch Familie - wir sind Familie Gottes.    

So grüßen wir Sie und Euch mit dem Wochenspruch: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. Sacharja 4,6

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

 

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

EG 136 O komm, du Geist der Wahrheit

1.O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

        2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt: Komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen

       7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund, dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

 

Eingangsgebet

Gott der Lebenskraft, du schenkst uns deinen Geist, der uns ins Leben führt. Dein Geist weckt in uns den Glauben und lässt uns dir und deinem Wort trauen. Wir bitten dich, sende uns deinen heiligen Geist. Darum bitten wir dich Gott, durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen

 

Genesis -1. Mose 11, 1-9

111Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. 2Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. 3Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel 4und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.

5Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. 6 Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. 7Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!

8So zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. 9Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

 

Angedacht

I. Anfangsgeschichen

»Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.«

So war es, ganz am Anfang. »Und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.« »Und siehe, es war sehr gut.« Es war einmal. Genau so war es. Ganz am Anfang. Und dann kam die Zeit. Und dann kam die Welt. Und wir sind viele geworden. Angeblich haben wir mal alle eine Sprache gesprochen. So erzählt’s die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

»Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.« Und alle hätten sich verstanden. So eine Einheitsmenschheit.

Wie Einheitspartei. Und das wäre Gott dann zu bunt geworden.

Oder eben auch gerade nicht zu bunt:  In Wirklichkeit zu gefährlich.

Weil der Mensch dann würde wie Gott. Und Gott wäre herniedergefahren samt seinen Engeln und hätte die Sprachen der Menschen verwirrt. So steht’s in der Bibel.

II. Auslegungsgeschichten

Wisst Ihr: Ich glaube den Geschichten der Bibel sehr. Jeder einzelnen. Ich lebe davon. Aber manches glaube ich nicht mehr. Oder anders: Manches davon, wie man jahrhundertelang diese Geschichten gedeutet hat, alle diese Auslegungen: Davon glaube ich nicht mehr alles.

Das geht dann klassisch so: ‚Am Anfang haben sich alle Menschen verstanden. Dann kam der Turmbau zu Babel. Und dann haben sie sich nicht mehr verstanden. Und später dann wird es Pfingsten. Gottes Geist kommt. Und nun verstehen sich alle wieder.’ Tausendfach wird das gepredigt von den Kanzeln und im Internet an diesem Fest. Und ich selber habe das mehr als einmal so gesagt in meiner Zeit.

Und ich glaube, das ist nicht wahr.  »Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde.« Und dann muss Gott kommen, und die Sprachen der Menschen ‚verwirren’. Wo doch alles »sehr gut« war?  Das ist doch nicht logisch. Das passt doch nicht zusammen. Was ist da eigentlich wirklich passiert?

III. Freundegeschichten

Ich glaube, da ist passiert, was mir passiert ist. Ich habe einen Freund, einen Herzensfreund, und wir sind immer noch Freunde, Gott sei Dank.

Wir kennen uns lang. Und jahrelang haben wir uns erzählt, was wir so machen, ganz viel, haben unser Leben geteilt, seit es das Internet gibt sogar manchmal jeden Tag. Das war schön. Aber es ist uns eben was passiert. Mein Leben hat sich geändert. Und seines auch. Irgendwann musste ich eine wichtige Lebensentscheidung treffen. Auch für meinen Beruf. Und er sagt: Das geht gar nicht! Ich hab versucht, zu erklären.

Aber er mochte nicht mehr hören. Und wenn ich heute erzähle, wie es nun geworden ist, dann interessiert es ihn nicht. Wir sind immer noch Freunde. Zum Glück. Aber das Nahe ist verschwunden. »Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.« »Und siehe, es war sehr gut.«

So war’s am Anfang der Welt. So war’s am Anfang einer Freundschaft.

Und dann ist es schief gegangen. Mein Freund wollte nämlich, dass ich so werde, wie er. Dass ich so denke und entscheide, wie er. Wollte mich schaffen nach seinem Bilde. Nicht nach Gottes Bild.

IV. Vielfaltgeschichten

Das steckt wohl hinter der Geschichte meiner Freundschaft. Und das steckt wohl auch hinter der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Die hatten nicht »einerlei Zunge und Sprache«. Die wollten nur, dass einer so sei, wie der andere. Einheitsmenschheit, Einheitspartei. Alle das Gleiche.  Und da erst greift Gott ein. Und sehr entschieden. Weil nämlich nicht eins so sein soll wie das andere. Sondern weil jede und jeder geschaffen ist nach Gottes Bild. Gott verteidigt die Vielfalt gegen jede Gleichmacherei. Er tritt ein für unsere Einzigartigkeit.

V. Kirchengeschichten

Da verstehe ich die Pfingstgeschichte besser. Da steht eben nicht, dass alle gleich werden müssen. Da steht was anderes. Da steht, dass alle Gottes Wort verstanden haben. Und dass die vielen Verschiedenen gemeinsam angefangen haben, zu glauben. Denn Gott ist nicht Einheit, sondern Vielfalt. Viel vielfältiger, als wir und überhaupt denken können. Und immer, wenn ich will, dass die anderen so werden, wie ich, dann mache ich Gottes Vielfalt kaputt.  Deshalb mag ich es anders halten. Ich will die anderen anders sein lassen. Und seien es die wirrsten Meinungen und Sprachen, die ich nicht verstehe. Ich werde sie kritisieren. Wenn es sein muss, heftig. Aber ich werde nie versuchen,

sie nach meinem Bilde zu formen. Das geht auch gar nicht. Dann wären wir wieder bei Turmbau zu Babel – wo alle gleich sein müssen.

V. Perspektivgeschichten

Pfingsten 2021. Jahrtausende nach dem Turmbau zu Babel. Zweitausend Jahre nach dem ersten Pfingsten. Gott hat die Vielfalt gegen die Gleichmacherei stark gemacht. Darum: Formt niemanden nach Eurem Bild. Lasst einander sein – einfach sein.

Das könnt Ihr bei denen, die Euch gleichen, in Liebe machen.

Und bei denen, die anders sind, in Kritik. Aber lasst einander sein.

Geschaffen nach Gottes Bild, die einen wie die anderen. Und Gottes Bild ist die Vielfalt. Dann wird’s Pfingsten.

Und der Geist Gottes schwebt über uns.

»Und siehe, es wird sehr gut.«

Amen.

                                                                       Pfarrer Michael Greßler

 

EG 264 Die Kirche steht gegründet

1dt. Die Kirche steht gegründet allein auf Jesus Christ, sie, die des großen Gottes erneute Schöpfung ist. Vom Himmel kam er nieder und wählte sie zur Braut, hat sich mit seinem Blute ihr ewig angetraut.

2dt. Erkorn aus allen Völkern, doch als ein Volk gezählt, ein Herr ist’s und ein Glaube, ein Geist, der sie beseelt, und einen heilgen Namen ehrt sie, ein heilges Mahl, und eine Hoffnung teilt sie kraft seiner Gnadenwahl.

3dt. Schon hier ist sie verbunden mit dem, der ist und war, hat selige Gemeinschaft mit der Erlösten Schar, mit denen, die vollendet. Zu dir, Herr, rufen wir: Verleih, dass wir mit ihnen dich preisen für und für.

 

Fürbittengebet

Heiliger Geist, du machst lebendig, was am Boden liegt, du hebst aus dem Staub, die verzweifelt sind, du tröstest die Traurigen, du schenkst einen neuen Atem. Komm, Heiliger Geist, erfülle mit deinem Wehen deine Kirche, wecke deine Gemeinde auf, hier und auf der ganzen Erde,
schenke uns Zuversicht und Hoffnung, lass uns feiern das Glück des Glaubens. Komm, Heiliger Geist, befreie uns Menschen aus der Sprachlosigkeit, löse uns aus der Sprachverwirrung, lass uns einander verstehen über die Grenzen der Länder, Kulturen, Religionen hinweg.

Komm, Heiliger Geist, mit Angst und Schmerz denken wir an Menschen in Not, in den Kriegsgebieten, bedroht von Hass und Gewalt,
in Sorge um Leib und Leben, um Arbeit und Zukunft. Lass uns erkennen: Wir sind eine Menschheit. Komm, Heiliger Geist,
und bleibe bei uns, gib uns die Kraft, das Unsere zu tun, gib uns die Weisheit, unsere Grenzen zu erkennen, gib uns den rechten Glauben,
heute und alle Tage unseres Lebens.

 

 Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten:  Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Lied EG 503,13

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte zieh

 

Herzlich Einladung zum Freiluftgottesdienst am Trinitatissonntag, 30. Mai 2021, um 17:00 Uhr neben der Trinitatiskirche mit Pastor D. C. Rohrlack.

 

Texte von: Pfarrer Michael Greßler‚VELKD und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht am Sonntag Exaudi

 

Im Frieden unseres Gottes.

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

warten, warten, das prägt die Zeit. Warten auf mehr Wärme, warten auf mehr Regen, sagen die Landwirte. Warten auf den Impfstoff, warten, dass die Zeiten sich ändern, warten zwischen Himmelfahrt und Pfingsten; noch blicken die Jünger Jesu auf den offenen Himmel. Gerade ist er von ihnen gegangen. Nun gilt es nicht zu verzweifeln, sondern auf den zu warten, der uns an Pfingsten versprochen ist. Gottes Geist, der uns zum Leben ruft.

So grüßen wir Sie mit dem Wochenspruch: Christus spricht: Wenn ich erhör werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen (Johannes 12,32)

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen

 

EG 123 Jesus Christus herrscht als König

1. Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm

untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll

bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben

muss.

2. Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht

halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im

Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst

bereit.

3. Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet

keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich; dessen Stuhl ist

unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein

ewig Reich.

 

Eingangsgebet

Gott im Himmel und auf Erden, dein Licht erleuchtet uns, dein

Wort dringt uns ins Herz. Sende uns den Heiligen Geist, der

uns Hoffnung und Glauben schenkt.

Wir rufen dich an, Gott und Vater, durch

unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und

dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen

 

Evangelium Johannes 7 37-39

37Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf

und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

38Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die

Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39Das sagte

er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn

glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war

noch nicht verherrlicht.

 

Angedacht

Liebe Gemeinde, wenn ich Durst habe, also so richtig Durst, mit trockenem Mund und am Gaumen klebender Zunge, dann kann ich an nichts anderes mehr denken. Wasser, Apfelschorle, eine frischgezapfte Halbe – egal. Hauptsache der Durst geht weg! Mit wenigen Dingen im Leben geht mir das genau so, wenn sie fehlen. Durst ist einfach etwas Elementares. Vielleicht noch vergleichbar damit, wenn mir tagsüber der Schlaf fehlt, weil ich nachts zu lange wachgelegen hab oder ich nach übervollen Arbeitswochen mehr als urlaubsreif bin. Manches, das einem im Leben fehlt, lässt sich am besten mit Durst oder Hunger beschreiben. Der Hunger nach Leben, der Durst nach Freiheit.

Wenn man sich gerade umhört, dann ist sehr eindeutig, was den meisten von uns fehlt: Menschen.

Menschen, mit denen man sich ohne Abstand aufs Bänkle vors Haus setzt. Menschen, die einfach schnell noch auf einen Kaffee mitreinkommen, ohne dabei an Ansteckung und Corona zu denken. Viele Menschen, mit denen man neulich unterm Maibaum im Zelt gesessen hätte oder die man auf irgendeinem der vielen Feste jetzt im Sommer getroffen hätte.

Beim großen Fest, damals in Jerusalem, sind viele da. Völlig normal ist das für sie – von unseren Problemen heute ahnen sie noch nicht mal etwas. Dicht zusammengedrängt stehen sie um Jesus herum und hören ihm zu. Heute ist der letzte Tag, bald ist das Feiern vorbei und es geht wieder ganz normal weiter. Der ein oder andere wird in Gedanken schon bei dem sein, was ihn morgen an Herausforderungen und vielleicht auch Sorgen erwartet.

Wenn ein Fest zu Ende geht, kehrt oft auch Wehmut ein: Die leichte, fröhliche Zeit geht zu Ende. Was folgt, kann auch eine Durstrecke sein.

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!, sagt Jesus, so als könnte er die Gedanken der um ihn herumstehenden Leute erraten. Keiner soll durstig sein. Keinem soll etwas fehlen, wenn es nach Jesus, wenn es nach Gott geht.

Aber trotzdem fehlt es uns immer wieder: An Festen und Treffen mit Menschen im ganzen letzten Jahr, an Gesundheit und einem leichten Leben in Zeiten von Krankheit, an Unbeschwertheit, wenn wir uns um einen anderen Menschen Sorgen machen, an Kraft und Energie, wenn es viel zu viel zu tun gibt und wir gar nicht alles schaffen…

Der Durst nach einem guten Leben, der plagt jeden von uns immer wieder. Viele von uns gerade jetzt. Wer an mich glaubt wird nicht nur keinen Durst mehr haben, sondern gleich Ströme lebendigen Wassers, verspricht Jesus den Leuten damals.

Und schon damals haben sie sich gewundert, was das wohl heißen soll. Deshalb schiebt der Evangelist Johannes eine Erklärung hinterher: Es geht Jesus um seinen Geist, der zu den Menschen kommen und ihnen helfen wird.

Vielleicht hat Jesus es geahnt: Am schlimmsten ist der Durst, wenn du nicht weißt, wann du ihn stillen kannst. Wenn du keine Ahnung hast, wo der nächste Wasserhahn ist oder wann du endlich ankommst um eine Flasche zu öffnen.

Da fällst du irgendwann wie in ein tiefes schwarzes Loch.

Jesus hätte auch sagen können: Wer an mich glaubt, der kommt aus so einem Loch wieder heraus, ja der kann sogar andere herausziehen.

Ja, wie denn, möchte ich ihn gerne fragen, wenn Corona sich nicht einfach plötzlich in Luft auflöst? Wie denn, wenn auch dieser Sommer nicht so wird, wie wir das alle noch aus den guten Zeiten kennen?

Nicht sofort oder von jetzt auf gleich. Das könnten die uns berichten, die damals auf dem Fest in Jerusalem mit dabei waren.

Bis wahr wird, was Jesus da verspricht müssen seine Jünger noch eine Menge Auf und Abs mitmachen: Große Wunder und Glücksmomente, als sie mit ihm durchs Land ziehen, sind die eine Seite. Die andere spiegelt sich in Anfeindungen und Angst und erreicht an Gründonnerstag und Karfreitag ihren traurigen Höhepunkt.

Wer bei Jesus trinkt, wird seinen Durst nicht sofort los. Wer auf diesen heiligen Geist wartet, den er verspricht, braucht manchmal ganz schön Geduld.

Oft wünsche ich mir neue Lebenskraft und Energie und brauche sie wirklich dringend. Und muss dann noch ziemlich lange darauf warten, bis sie kommt und es mir besser geht.

Wenn wir nächste Woche an Pfingsten davon hören, wie der heilige Geist die Jünger begeistert, ist das erstmal nur eine Geschichte, die wir hören.

Sie landet in meinem Kopf. Aber wahr wird sie für mich erst so richtig, wenn ich sie selbst erlebe. Wenn ich die Begeisterung erlebe, die damals die Jünger gepackt hat. Wenn mein Durst nach vollem Leben endlich gestillt wird.

Dann, wenn auch mich etwas antreibt, das nicht aus mir selbst kommt. Wenn ich merke, wie es mich nach draußen zieht und die Sommersonne mich einfach froh macht. Dann, wenn meine Sorgen nicht überhand nehmen, sondern sich mir Wege zeigen, wie ich gut weitermachen und aus meinem Loch wieder herausklettern kann.

Danach halte ich Ausschau in diesen Tagen: In der Zeitung, wenn ich die aktuellen Inzidenzwerte lese und mich über die sinkenden Zahlen freue. Über den Gartenzaun hinweg, wenn wir mit den Nachbarn davon sprechen, dass es vielleicht bald wieder erlaubt ist, miteinander zu grillen.

Noch ist es nicht soweit, noch ist das Durstgefühl da und lässt mich manchmal an gar nichts anderes mehr denken.

Aber es ist nicht dieser Durst, der so schrecklich brennt, weil man nicht weiß, wann er gelöscht wird.

Mein Durst ist weniger schlimm, weil ich weiß, dass er gestillt wird. Für mich steht Wasser bereit. Kein Wasser zwar, das ich mir einfach selbst holen kann. Aber so etwas wie eine Wasserflasche auf der mein Name steht und die für mich bestimmt ist, wenn ich an ihr vorbeikomme.

Mir hilft beim Durstig sein, dass Menschen vor mir genau das erlebt haben: So wie die Jünger damals, so wie wir heute, zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Eine echt interessante Zeit übrigens: Ohne Jesus, der weg ist. Und noch ohne Geist, auf den alle warten. Und deshalb antriebslos und ohne Plan, was man jetzt tun könnte.

Festgehangen in Situationen und Lebensumständen, die sie am liebsten anders hätten.

Irgendwann kommt der Geist. So ist es uns versprochen. Und so haben es viele Menschen vor uns erlebt.

Irgendwann wird uns all das nicht mehr fehlen, was wir gerade so sehr vermissen.

Jesus gibt uns sein Wort: Ich werde euren Durst nach Leben stillen.

Darauf zu warten, zu hoffen, zu vertrauen und mit vielen, vielen anderen Christen hier bei uns und weltweit dafür zu beten, das ist schon jetzt wirklich etwas anderes, als einfach im tiefen schwarzen Loch zu versinken.

Amen

 

Pfarrerin Katharina Seeburg

 

EG 140 Brunn alles Heils, dich ehren wir

1. Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm.

2. Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht.

3. Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten lass sein Angesicht, dass wir ihn schaun und glauben frei, dass er uns ewig gnädig sei.

4. Der Herr, der Tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, dass uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt.

5. Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, o Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl,

 

Fürbittengebet

Jesus Christus, wir kommen zu dir. Wir glauben an dich. Du stillst unseren Durst nach Leben. Komm und sende deinen Geist aus. Erbarme dich. Komm und sende deinen Geist, damit Frieden wird in Israel, im Heiligen Land, in deiner Stadt Jerusalem. Verwandele die Herzen der Menschen und erneuere diese Welt. Du bist die Quelle des Friedens – erbarme dich.

Komm und sende deinen Geist, damit Gerechtigkeit wächst
für die Geschwächten, für die Übersehenen, zwischen den Generationen, zwischen den Gesunden und den Kranken. Verwandele die Meinungen der Menschen übereinander und erneuere unser Zusammenleben. Du bist die Quelle der Gerechtigkeit – erbarme dich.

Komm und sende deinen Geist, damit der Glaube auflebt
in deiner weltweiten Kirche, in unseren Gemeinden, bei den Teilnehmenden des Ökumenischen Kirchentags, bei unseren Kindern. Wandele den Zweifel in Vertrauen und die Angst in Zuversicht. Jesus Christus, wir kommen zu dir. Erneuere unsere Hoffnung. Stille unsere Sehnsucht. Sende uns deinen Geist. Du bist die Quelle des Lebens –erbarme dich heute und alle Tage.
Amen.

Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten:

Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Lied EG 503,13

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte zieh

 

Texte von: Pfarrerin Katharina Seeburg und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht am Sonntag Rogate

 

Im Frieden unseres Gottes.

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

himmlische Momente, Augenblicke, an denen ich eine Leichtigkeit fühle, finde ich wunderbar. Die wärmende Sonne, die mir entgegenscheint, die lang ersehnte Impfung, die Gewohntes zurückerwarten lässt. Momente des Hoffens! Ich habe in der letzten Woche von einigen ähnliche Aussagen gehört, von himmlischen Momenten. Dem Himmel nah sein, darum geht es auch am heutigen Sonntag Rogate, zu deutsch „betet“. Im Gebet komm ich dem Himmel nah und der Himmel kommt mir nah.

So grüßen wir Sie mit dem Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66, 20)

Bleibt gesund und behütet

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

Unsere Andacht geschehe im Namen unseres Gottes, im

Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.

Amen

 

EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend

1. Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein’ Heilgen Geist du

zu uns send, mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg

zur Wahrheit führ.

2. Tu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur

Andacht fein, den Glauben mehr, stärk den Verstand, dass uns

dein Nam werd wohlbekannt,

3. bis wir singen mit Gottes Heer:»Heilig, heilig ist Gott der

Herr!«,und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und

sel’gem Licht.

4. Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem Heilgen Geist in

einem Thron; der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in

Ewigkeit.

 

Eingangsgebet

Gott, gib uns Mut zu bitten, gib uns Unruhe zu suchen, gib uns Freiheit anzuklopfen, dass wir aus deiner Fülle empfangen, in deiner Tiefe finden und Zugang haben zu deiner großen Barmherzigkeit. Wir rufen dich an, Gott und Vater, durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen

 

Lesung Daniel 9

4 Ich betete aber zu dem Herrn, meinem Gott, und bekannte und sprach:

Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! 5Wir haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. 

 16Ach, Herr, um aller deiner Gerechtigkeit willen wende ab deinen Zorn und Grimm von deiner Stadt Jerusalem und deinem heiligen Berg. Denn wegen unserer Sünden und wegen der Missetaten unserer Väter trägt Jerusalem und dein Volk Schmach bei allen, die um uns her wohnen. 17Und nun, unser Gott, höre das Gebet deines Knechtes und sein Flehen. Lass leuchten dein Angesicht über dein zerstörtes Heiligtum um deinetwillen, Herr! 18Neige deine Ohren, mein Gott, und höre, tu deine Augen auf und sieh an unsere Trümmer und die Stadt, die nach deinem Namen genannt ist. Denn wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. 19Ach, Herr, höre! Ach, Herr, sei gnädig! Ach, Herr, merk auf und handle! Säume nicht – um deinetwillen, mein Gott! Denn deine Stadt und dein Volk ist nach deinem Namen genannt.

 

Angedacht

Sie steht vor ihrem Elternhaus. In der Hand hält sie eine schwere Einkaufstasche. Gestern hatte ihr die alte Mutter eine Bestellung aufgegeben. Ziemlich, gar vorwurfsvoll. So jedenfalls hatte es in den Ohren der Tochter geklungen. Mit ihren achtjährigen Söhnen war sie am Morgen einkaufen gegangen. An der Kasse hatte sie sich wieder einmal geärgert. Ihre Jungs hatten am Süßwarenregal gequengelt. Mehrere Kaubonbons verteilten sich unter dem Regal. Sie reagierte wütend, schimpfte lauthals und drohte. Die Stimmung war mies. Das anschließende Mittagessen fiel lautem Geschrei zum Opfer. Jetzt stellt die Tochter die Einkaufstasche vor der Haustür ihrer alten Mutter ab. Sie klingelt. Während sie die Schritte auf den quietschenden Dielenbrettern kommen hört, werden Erinnerungen an Kindheitstage wach: Die Sommersonne scheint auf ihr verschmiertes Kindergesicht. Sie zerkaut die Waffel mit dem letzten Rest an Zitroneneis und klingelt an der Haustür. Noch im kühlen Hausflur wird sie umgehend in das Bad geschickt. Sie solle schleunigst Mund und Hände waschen. Nicht nur des kalten Eises wegen fror sie sogar im Hochsommer in ihrem Elternhaus. Sie weiß eine lange Zeit nicht, warum. Sie nimmt sich vor: Wenn du selber einmal Mutter bist, strahlst du Herzenswärme aus, komme was wolle. Doch ihre Lebensgeschichte verläuft anders. Nur unter Anstrengungen kann sie ihren Vorsatz umsetzen. Allzu oft nicht, wie am Morgen an der Kasse und beim Mittagessen. Ihre Mutter öffnet jetzt die Tür, die Tochter betritt das Haus. Noch immer sieht es aus wie damals vor vierzig Jahren. Und wie damals: Auch heute kein wärmender Blick. Die alte Mutter nimmt ihrer Tochter ohne ein Wort die Einkaufstasche ab. Sogleich befällt die Tochter ein schlechtes Gewissen, sie erinnert sich an ihr Versprechen und beschließt: Umarme deine Quengelgeister, gleich nachdem du wieder zuhause bist. Sei barmherzig, verzeih ihnen ihren Dickkopf. Lange denkt die Tochter, die Kühle des Elternhauses liege vor allem am Gebäude: Die dunklen Räume, die kahlen Wände, die fehlende Dämmung. Bis eine Arbeitskollegin das gleiche Gefühl äußert: »Immer, wenn ich meine Eltern in ihrer Wohnung besuche, ist mir kalt.« Sie setzen sich zusammen und erzählen: Die Wohlfühltemperatur stimme wohl nicht. Vielleicht auch deshalb, weil ihre Elternhäuser ein Zuhause von Kriegskindern geblieben sind. Haben doch ihre alten Mütter als Kinder den Krieg erlebt, den Judenhass, unzähliges Sterben, den Nationalsozialismus, materiellen Verlust, Arbeitslosigkeit, Hunger. Kriegskinder hatten sowohl die Schuld der Täter zu tragen als auch selbst unter Hass und Verfolgung, Schuldvorwürfen und persönlicher Anfeindung zu leiden. Wie die alten Eltern auf ihre Kinder und Enkel wirken, das hat gewiss auch mit dem zu tun, was sie selber in ihrer Kindheit erfahren haben. Das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa ist gestern vor 76 Jahren besiegelt worden. Manche Eltern und Kriegskinder vermögen es seither nicht, über ihre Gefühle zu sprechen. Ihre Münder bleiben stumm, obwohl ihre verletzten Seelen schreien. Ihre Kinder und Kindeskinder leiden mancherorten unter diesem stummen Schrei. Bei Familienfeiern oder Arbeitsjubiläen, ja auch bei Jubelkonfirmationen hat man sich auch in engen Beziehungen daran gewöhnt, mit diesem Verschweigen umzugehen. Jede Ablenkung ist willkommen. Doch wer aufmerksam bleibt, spürt: Schuldgefühle wirken isolierend, trennend und machen einsam. Tatsächlich sitzen urplötzlich die alte Tante, der alte Großvater, der angesehene Klassenkamerad in sich versunken da. Statt sich zu verständigen oder wenigstens die Stille der Betroffenheit auszuhalten, plaudern die Eltern, Kinder, Kindeskinder und Schulfreunde über die Gefühle, die einsam machen, hinweg. Nur noch selten finden Gedanken an Schuld einen vor Sensationslust geschützten Raum. Ein Seelsorger, der am Kranken- und Sterbebett mit Frauen und Männern der Kriegsgeneration in das Gespräch kommt, erzählt von seinen Erfahrungen: Ich höre zu, sagt er, doch ich werte nicht. Frauen und Männer erzählen mir von Gräueltaten, die sie im Krieg erlebt oder gar begangen haben. Sie tragen schwere Schuldgefühle in sich, sogar als Opfer. Extremsituationen kann man wohl nur schwer in der Weise überstehen, dass man mit sich selbst im Reinen ist. Einst fragte mich ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier: Warum bestrafte Gott mich nicht? Er berichtete, dass nach dem Krieg viele in ihm einen respektablen Mann sahen, doch er wusste, dass er das nicht. Damit zu leben, empfand er als Strafe. Eine Frau hat einmal dem Seelsorger über ein Geschehen an der Front erzählt, und als er sie zum Gottesdienst einlud, fragte sie, ob sie denn wirklich kommen dürfe. Wegen des Segens am Schluss. Wo er ja jetzt wisse, was sie getan hatte. Natürlich hatte die Frau die Bestürzung des Seelsorgers bemerkt, aber er hatte sie nicht kritisiert. Das härteste Urteil ist doch meist das eigene. Der Krieg zeitigt fürchterliche Nachwirkungen in den Seelen. Wer Krieg erleben musste, hat danach ein anderes Leben. Krieg ist nie vorbei, es bleibt das Erschrecken davor, was man getan und erlebt hat. Wir leiden mit Menschen, die mit diesen unausgesprochenen Erinnerungen sterben. Sie hatten nicht die Gelegenheit, Vergebung zu erfahren.

Der Prophet Daniel hat wie ein guter Seelsorger zugehört. Glaubensgeschwister, die an den Zerstörungen des Krieges leiden, und deren Nachkommen haben ihm ihre Lebensgeschichten erzählt. Sie zerreißen ihm das Herz. Dass die Vorfahren schuldig geworden sind, ist ihm klar, und dass die Nachfahren weiter an der Zerstörung leiden, steht ihm deutlich vor Augen. Auch er spürt diese Zerrissenheit zwischen Schuld und Leid am eigenen Leib. Daniel lebt, so erzählt es das Danielbuch, wie Tausende seines Volkes im Exil, in der Hauptstadt der Siegermacht Babylonien. Er lebt fern der Heimat, fern von den vertrauten Gottesdiensten, weit weg von traditionellen Werten und religiösen Orientierungen. Auch wenn er sich vom Glauben der neuen Herrscher distanziert, kommt er als deren hoher Beamter mit diesem Glauben in enge Berührung. In dieser Krisensituation bleibt ihm nichts anderes übrig, als zwischen seiner Frömmigkeit und seiner beruflichen Karriere zu unterscheiden. Jedenfalls solange, wie er nicht nach seinem Glauben gefragt wird. Seinen Gott kann er öffentlich nicht bekennen, ohne sein Leben zu gefährden. Situativ passt er Werte und Grundüberzeugungen an. Die Schuld seiner Vorfahren, die Krieg und Exil durchlitten, wird in gewissem Maße nun zu seiner eigenen Schuld. Daniel denkt visionär. Er verliebt sich in das Ende der Welt, das von Gott herbeigeführt wird, um die Seinen zu erretten. Seinen Gott öffentlich um Hilfe in der Gegenwart anzurufen, bleibt ihm. Wie seine Glaubensgeschwister muss er sich in das Private zurückziehen. In dieser Einsamkeit kreisen seine Gedanken um zwei Brennpunkte: Um die Erlösung seines Volkes am Ende der Welt und um die Verantwortung seines Volkes und seiner eigenen an der bestehenden Situation. Zu beten hilft ihm, sich in dieser Verworrenheit neu zu orientieren. Im stillen Gebet nähert er sich Gott. Daniel kann die endzeitlichen Visionen beiseitelegen. Angesichts der Krise und des Verlustes jedweder Sicherheit erinnert er sich auch an die Verheißungen: An Gottes Bund mit seinem Volk. Daran zu denken, lässt in ihm Hoffnung aufkeimen. Zukunftsperspektiven öffnen sich, um die Gegenwart trotz Schuldverstrickungen anzunehmen. Daniel vertraut Gottes Verheißungen. Er glaubt einem Gott, der stumme Schreie hört und verletzte Seelen heilt. Während Daniel betet, spürt er, dass sich Gottes Herz verwandelt: Aus einem zürnenden wird ein warmherziger Gott. Dermaßen ermutigt, formuliert Daniel, was ihn bedrückt. Er bekennt, worin er sich verstrickt hat. Und er bekennt stellvertretend für sein Volk die Schuld der Generationen vor ihm. Durch den geschützten Raum des Gebetes tritt Daniel aus seiner Einsamkeit und Gewissensnot hinaus.

Auf die Fehler der Vorfahren zu verweisen, fällt uns leichter, als eigene Schuldverstrickungen einzugestehen. Wir reden unsere Schuld klein. Daniel verfällt diesen Versuchungen nicht. Er findet eine gute Form, die eigene Schuld nicht kleinzureden und die Vorfahren nicht anzuklagen. Es ist das Gebet. Es eröffnet Menschen, die mit Schuld beladenen, die Möglichkeit, ehrliche Worte zu sprechen und zugewandten Ohren zu vertrauen. Das ist ein erster Schritt, um mit Schuld umgehen zu können. Zugleich sind wir darauf angewiesen zu spüren, dass Gott uns vergibt. Jesus Christus hat im Vaterunser gebetet: Und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. (Lk 11,4) Daniel schrieb einige Jahrhunderte früher: Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. (Dan 9,18b) Über Vergebung und Neubeginn entscheidet letztlich nicht unser reines Gewissen, sondern allein das Gnadenwort Gottes.

Als die Tochter und ihre alte Mutter das Haus aufräumen, entstehen Momente der Nähe. Gegenstände laden zum Erzählen ein. Die Mutter findet hier und da Spuren der letzten Kriegswochen und der Zeit danach. Fotos gehen ihr nahe. Sie erinnert sich. Sie merkt, dass sie sehr mutig sein muss, um weiter aufräumen zu können. Die Tochter spricht währenddessen oft mit ihrer Mutter über Kindheit und Kriegszeit. In gleicher Weise entdecken beide die Chance, sich auszusprechen. Zunächst fällt es ihnen schwer, Fehler einzuräumen. Aber Schritt für Schritt spüren sie, wie ihnen eine bisher unbestimmte Last von den Schultern genommen wird. Liebevoll sagt die Tochter schließlich zu ihrer Mutter: Danke, dass wir miteinander reden konnten. Ich kann dich jetzt besser verstehen! Beim Abschiedskuss fühlt sich der Hausflur wärmer an. Amen.

 

EG 355 Mir ist Erbarmung widerfahren

1. Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert; das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt. Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

2. Ich hatte nichts als Zorn verdienet und soll bei Gott in Gnaden sein; Gott hat mich mit sich selbst versühnet und macht durchs Blut des Sohns mich rein. Wo kam dies her, warum geschieht’s? Erbarmung ist’s und weiter nichts.

3. Das muss ich dir, mein Gott, bekennen, das rühm ich, wenn ein Mensch mich fragt; ich kann es nur Erbarmung nennen, so ist mein ganzes Herz gesagt. Ich beuge mich und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

5. Gott, der du reich bist an Erbarmen, reiß dein Erbarmen nicht von mir und führe durch den Tod mich Armen durch meines Heilands Tod zu dir; da bin ich ewig recht erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

 

Fürbittengebet

In der Gewissheit, dass Gott uns hört und Schuld vergibt, rufen wir ihn an und bitten ihn: Für diejenigen unter uns, die von der Auferstehung Christi begeistert sind, dass sie sowohl voller Eifer davon erzählen können als auch einfühlsam bleiben gegenüber schuldig gewordenen Menschen. Für diejenigen unter uns, denen verwirrende Gedanken an persönliche Schuld den Schlaf rauben, dass sie Seelsorgerinnen und Seelsorgern begegnen, die ein offenes Ohr für ihre Geschichten haben und von Deiner großen Barmherzigkeit erzählen. Für diejenigen unter uns, die in Gemeindekreisen und Gebetsstunden Gott loben und Fürbitte halten für einsame, traurige, süchtige Menschen. Für diejenigen unter uns, die Gott ihre Not klagen und an seiner Verborgenheit leiden, dass sie an ihrem Glauben nicht verzweifeln. Für diejenigen unter uns, die in ihren Familien, Freundeskreisen, an ihrem Arbeitsplatz oder in der Schule beten, dass sie Unterstützung finden bei den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern unseres Landes und unserer Landeskirche. Für uns selbst, dass wir Mut finden, unsere persönliche Schuld anzusprechen, ohne sie kleinzureden, dass wir gütig und barmherzig bleiben gegenüber allen Menschen in den vielen Schuldverstrickungen der Welt. Amen.

Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten:

Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Lied EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5. Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Texte von:  Oberkirchenrat Dr. Martin Teubner und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht zum Sonntag Kantate

Im Frieden unseres Gottes. Amen

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

willkommen im Mai. Dieses Wochenende ist das erste Wochenende im Wonnemonat, die Natur steht in voller Blüte. Da sprudelt das Herz und stimmt ein Loblied an. Der Sonntag Kantate lädt zum Gesang ein und der ist zuhause mit ausreichend Abstand im Garten möglich. Die Stimme erheben gegen Ungerechtigkeit hat am 1. Mai Tradition, an dem wir als Kirche den Bittag um gesegnete Arbeit begehen. Alle Arbeit soll nach Luther ein Gottesdienst sein und kann so zum Segen für den Nächsten werden. Hierzu zählen aber auch gerechte Arbeitsbedingungen, für die sich auch schon im 18. Jahrhundert bereits viele Christen aus ihrem Glauben heraus einsetzten. Die Andacht schließt heute bewusst mit dem Steigerlied.  

 

Wir grüßen Sie mit dem Wochenspruch: 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Ps 98, 1a)

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre/ Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

In Gottes Namen verbunden. Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen

 

EG 501 Wie lieblich ist der Maien.

1Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht. Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid, die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein! Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein. Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß; drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß’

3. Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich’s möge schicken, fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort, das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

4. Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein; die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, unser Herz ist fröhlich, weil du dich uns in Liebe zuwendest. Hilf, dass wir uns deiner Liebe würdig erweisen. Nimm weg, was uns hindert, dich mit unserer Stimme zu loben und zu preisen. Denn wir wollen dir singen und deine Gnade verkünden mit allem, was du uns geschenkt hast. Wir preisen dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit. Amen

 

Angedacht  

Am Anfang war … der Ton. Die Melodie. Ein Lied. So ist es für viele. Am Anfang der Reise durch das Land des Glaubens steht oft eher die Begegnung mit der Musik als mit dem Wort, mit der Predigt, mit einem Gespräch. Für viele ist die Begegnung mit Orgelmusik, mit Chor, mit Gospel, mit Choral ein ganz wichtiger Zugang zum Glauben. Was wären unsere Gemeinden ohne Musik? Es ist ein unverwechselbares Kennzeichen evangelischer Glaubenspraxis, dass wir in Gemeinschaft singen und uns von Tönen ergreifen lassen. Und vielleicht sogar selbst etwas beitragen zum gemeinschaftlichen Lob. Die ersten Predigten, die ich verstanden habe, waren Choräle. Mein erstes Gebet war ein von Herzen mitgesungenes Lied. Musik schließt unsere Herzen auf. Sie berührt uns nicht nur auf der Ebene des Verstandes. Sie kann etwas tief in uns zum Klingen bringen. Und treten zu den Tönen noch Worte, die wir uns nicht selbst sagen können, dann können sie uns etwas ahnen lassen von der Schönheit des Glaubens. Aber nicht immer löst Musik diesen Effekt aus. Nicht alle Menschen sind aktiv oder passiv musikalisch. Und grundsätzlich gilt – Musik ist Geschmackssache. Wir reagieren unterschiedlich, wenn wir Menschen von Herzen singen hören. Der eine lässt sich mitreißen und stimmt mit ein. Und die andere findet so viel zur Schau getragene Emotion eher befremdlich. Ganz unterschiedliche Reaktionen lösen auch die Jünger Jesu mit ihren spontanen ungeplanten Rufen aus.

(Lesung des Predigttextes: Lk 19,37-40)

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Die Jünger wandern mit Jesus den Ölberg hinunter. Hinter ihnen liegen noch die Palmen und Kleider der Menschen ausgebreitet auf dem Weg. Vor ihnen sehen sie Jerusalem zu ihren Füßen liegen. Sie werden gleich mit Jesus in die Hauptstadt einziehen. Und es gibt anscheinend verschiedene Möglichkeiten, auf diese Szenerie zu reagieren. Gehen wir sie einmal durch und schauen wir uns zunächst die Jünger an. Was sehen sie?

II.  Die Jünger sehen den Sohn Davids in die Stadt Davids einziehen. Sein ganzes Wirken ist auf diesen Moment hin ausgerichtet. Und

seine Jünger sind ergriffen von der Bedeutung dieses Momentes.  Auch wenn sie oft nicht verstanden haben, wer Jesus ist und was er will, eines ist klar: Hier geschieht Besonderes. Das, wovon schon die Engel bei seiner Geburt sangen, würde jetzt Wirklichkeit werden.  Der Friedensbringer kommt. Gerade jetzt wird Geschichte geschrieben. Ihr König zieht in die Hauptstadt ein. Davon wird man sich noch lange erzählen. Das Ziel der Reise ist erreicht. Nun werden ihn bald alle als Retter erkennen. Nun wird Gott selbst sein Volk regieren. Und was tut ein Jünger in so einem Moment? Er beginnt Gott zu loben. Spontan und ungelenk. Frei und von der Leber weg. Klar, das war vermutlich keine konzertierte Aktion. Sie werden keine vierstimmigen Chorsätze gesungen haben. Eher einzelne Jubelrufe, vielleicht ein paar Psalmworte, ein kleines Lied. Aber laut und deutlich vernehmbar. Für sie ist es die einzig angemessene Reaktion auf das, was sie sehen.

III.  Und was sehen die Pharisäer? Wie nehmen sie diesen Einzug wahr? Sie hören die Menge »König« rufen und sehen einen armen Wanderprediger. Sie hören, er komme im Namen des Herrn – und sehen nur einen Hochstapler, der sich von ein paar verführten Anhängern wie der Messias feiern lässt. Statt für den Frieden auf Erden sehen sie diesen Mann für Aufruhr sorgen. Statt Ehre in der Höhe sehen sie ihre Vorstellungen von religiös richtig und falsch den Bach hinunter gehen. Sie sehen hin – aber sehen doch nicht. Und vielleicht wären die Pharisäer mit einem einstudierten Choral noch mitgegangen. Aber diese spontane Begeisterung über die Bedeutung dieses Moments, das ist unangebracht. Rufe und Ehrerbietung für diesen einfachen Mann. Proklamationen wie für einen König – das ist zu viel.» Wir brauchen keine neuen religiösen Superstars. Wir brauchen keinen König als Gott allein. Und Menschen sollen nicht wie Gott verehrt werden.« Und einige belassen es nicht bei einer verzogenen Miene. Einige sprechen mit Jesus: »So geht das doch nicht. Du kannst dich doch nicht wie ein König verehren lassen. Die jubeln dich ja fast zu einem Gott hoch. Weise deine Jünger doch bitte zurecht«. So ist es von Anfang an. Viele der religiös Musikalischen fremdeln mit dem unorthodoxen Zugang zu Gott, den Jesus aufzeigt. An Weih[1]nachten hört der Retter der Welt in einem Stall als erstes den Lobpreis der fremden Weisen. Unmündige Kinder rufen ihm »Hosianna« im Tempel zu, während Hohenpriester und Schriftgelehrten sich entrüsten (Mt 21). Der Wanderprediger aus Nazareth hört auf seinem Weg zu Kreuzigung und Tod die spontanen Rufe seiner Freunde und Jünger. Und einige Pharisäer wissen es besser. Der auferstandene Christus hört auch heute den Lobpreis seiner Nachfolger und Anhänger in seiner Gemeinde. Und immer stehen Menschen dabei und urteilen: »So geht das eigentlich nicht. Das ist nicht angemessen. So soll es nicht sein.«

IV. Und wir? Was sehen wir? Wo reihen wir uns ein? Bei den emotional ergriffenen Jüngern oder den zurückhaltenden Bedenkenträgerinnen? Wenn wir Gott loben, dann tun wir das heute zurückhaltender, konzertierter. Und doch: Hinter Tönen und (manchmal sehr alten) Worten

steckt es noch: Das Lob über Gottes große Taten. Aber spontan? Öffentlich? Eher nicht. Das tut man nicht. Es ist vielleicht auch nicht angebracht. Denn angebracht war es damals in Jerusalem: Laute Stimmen und Gotteslob. Aber wir waren nicht dabei. Wir haben Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört. Haben wir es darum schwerer einen Zugang zu Jesus zu finden? Vielleicht. Allerdings gab es sie damals auch: Die Skeptikerinnen und Zögerer, die Bedenkenträgerinnen und Besserwisser. Hier sind sie vertreten durch die Pharisäer. Und es gibt sie auch heute, die Menschen, die Jesus in ihrer Nähe wissen und darum manchmal auch spontan in Jubel ausbrechen. Die hellhörig werden, wenn sein Name genannt wird. Die sich freuen über seine Gegenwart in ihrem Leben. Die in ihm ihren Friedenskönig erkennen. Der zeitliche Abstand zu unserer Geschichte scheint also nicht die Schwierigkeit zu sein. Wir stehen heute vielmehr genauso wie die Menschen damals vor der Frage: Wer ist dieser, der da vor den Toren Jerusalems steht? Wen sehen wir da kommen? Wer ist Jesus? Und je nachdem, wie diese Antwort aussieht, so wird auch unsere Reaktion ausfallen.

V. Zum Schluss: Wenn Steine schreien. Eine Reaktion müssen wir uns noch anschauen: Jesus reagiert verstörend und direkt. Er entrückt die Entscheidung darüber, ob hier Lob und Ehrerbietung angebracht sind, aus dem Entscheidungsspielraum der Pharisäer. Niemand hat hier zu richten über richtig und falsch. Lobpreis ist die einzig angemessene Reaktion auf den Einzug dieses Königs. Er will erkannt werden als der kommende Friedensbringer, der Retter. Und darum ist nichts anderes als Jubel und Lobpreis angemessen, wenn er kommt. Alles andere wäre verkehrte Welt. So, als wenn die leblostesten Gebilde der Natur, die Steine, zum Leben erwachen würden und zu schreien begännen. Steine, die schreien: Eine wahrhaft abstruse und schreckliche Vorstellung. Und mit dem Blick auf Jerusalem und all ihren steinernen Bauten klingt das Unheil der Zerstörung der Stadt durch die Römer wenig später schon an. Heute stehen vom Tempel nicht mehr viele Steine, die Klagemauer ist der traurige Rest. Und statt Lobpreis ist dort heute viel Klagerufe zu hören. Aber Steine hört man dort nicht schreien. Denn so soll es nicht sein. Menschen sollen singen, nicht Steine schreien. Das gilt erst recht für unsere steinreiche Kirche. Wir reden ja heute gerne davon, dass auch unsere steinernen Kirchengebäude den Menschen predigen und etwas von der Größe Gottes erzählen. Und das tun sie auch. Für viele sind sie großartige Zeugnisse gelebten Glaubens. Sie sind durchbetete Räume. Sie werden bewundert als Orte der Vergangenheit, in dem früher Begegnung mit dem Höchsten gesucht wurde. Aber oft entsteht der Eindruck, dass leere Kirchenbänke und alte Steine lauter predigen als die Wörter und Töne der Menschen, die dort heute noch glauben. Wir sind zwar steinreich. Aber für den Jubel in unseren Gemeinden bemühen wir oft Werke längst vergangener Gläubiger, oder? Das ist verkehrte Welt. Menschen sollen singen, nicht Steine schreien. Wo aber der Friedensbringer Jesus in den Mittelpunkt gestellt wird, da wird heute Jubel zu hören sein. Wo er der König sein darf, wird man Gesang und Lobrufe hören. Wo er einzieht, da bekommen alte Choräle und barocke Meisterwerke neuen Wind. Und Glaubenserfahrungen werden in neue Lieder und Melodien verpackt. Bei uns vermutlich eher orchestriert und gut organisiert. Aber hoffentlich nicht weniger von Herzen. Darum freuen wir uns mit den Jüngern und erheben auch wir laut unsere Stimmen. »Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.« (EG 1) Amen

 

EG 324 Ich singe dir mit Herz und Mund

1. Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

2. Ich weiß, dass du der Brunn der Gnad und ewge Quelle bist, daraus uns allen früh und spat viel Heil und Gutes fließt.

 

Fürbitten und Vaterunser

Mit schöner Stimme deine Wunder besingen, danach sehnen wir uns.

Mit Freude das neue Leben feiern, das wünschen wir uns.

Aber in diesen Tagen sind unsere Stimmen heiser und unsere Lieder sind voller Klage. Höre uns, ewiger Gott,

und erbarme dich.

 

Höre die Klage der Trauernden. Höre unser Klagen über die Toten in Indien und Brasilien, über die Toten in unserer Nachbarschaft.

Höre unser Klagen über den Schmerz der Kranken,

über die Verzweiflung der Erschöpften. Du bist der Gott des Lebens,

besiege du den Tod und verwandele unsere Klage in ein Lied.

Erbarme dich.

 

Höre die heiseren Stimmen der Bedrängten. Höre die Stimmen aller, die ihrer Würde beraubt werden und aller, die auf Hilfe angewiesen sind.

Höre die Stimmen derer, die sich nach Frieden sehnen und sich dem Hass verweigern. Du bist ein Gott der Gerechtigkeit,

besiege du das Unrecht und sing mit den Erniedrigten von der Freiheit.

Erbarme dich.

 

Mit schöner Stimme deine Wunder besingen, danach sehnen wir uns. Höre die Lieder von Vertrauen und Hoffnung, die wir leise und hinter Masken singen. Höre die Lieder vom Glauben, die in den Herzen der Gläubigen wohnen. Höre die Lieder, die deine Schöpfung singt:

die Vögel, die Steine, die Engel. Du bist wunderbar, ewiger Gott, du verwandelst uns und deine Schöpfung durch Jesus Christus,

unseren Bruder und Herrn – heute und alle Tage.

Amen. Gemeinsam beten wir mit Jeus Worten: Vater unser im Himmel,…

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Lied Steiger Lied 

Glück auf, Glück auf! Der Steiger kommt, und er hat sein helles Licht bei der Nacht, und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt, schon angezündt.

Schon angezünd’t! Das gibt ein’n Schein, |: und damit so fahren wir bei der Nacht, :|
|: ins Bergwerk ein :|

Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut’ sein, |: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht, :|
|: aus Felsgestein :|

Und kehr ich heim, zur Liebsten mein, |: dann erschallet des Bergmanns Gruß bei der Nacht, :|
|: Glück auf, Glück auf! :|[7]

 

Texte von: Pastor Christian Brodowski und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht zum Sonntag Jubilate

Im Frieden unseres Gottes. Amen

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

was bringt Sie zum Jubilieren, zum ausgelassenen Loben? Jubel - eine  Freude, die sich im ganzen Körper ausbreitet und mich ganz verändert. Ich kann es gar nicht mehr zurückhalten! Viele erleben so etwas bei der WM oder anderen Sportereignissen. Der Sieg der Mannschaft überwältigt und reißt einen richtig mit. Heute geht es ums Jubeln, doch nicht um eine Mannschaft, die im Sport gewonnen hat, sondern am Sonntag Jubilate lädt mich der Sieger über den Tod, Jesus Christus, ein, denn durch ihn sind wir neu geworden, ganzheitlich zum Leben verändert und gerufen.

  

Wir grüßen Sie mit dem Wochenspruch: 

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5, 17)

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre/ Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

In Gottes Namen verbunden. Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen

 

EG 432 Gott gab uns Atem                                                                                            

1.Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gebet

Guter Gott, du Barmherziger, du liebender Vater: Wir danken dir für deine Liebe, mit der du uns zu deinen Kindern gemacht hast und bitten dich: Erhalte uns in der Nachfolge deines Sohnes Jesus Christus, dass wir miteinander bauen an deinem Reich in Hoffnung, Frieden und Vertrauen. Darum bitten wir dich Gott, durch den auferstandenen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen

 

Lesung

Bibeltext aus der Apostelgeschichte 17, 22-34 (eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

 

22Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 23Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

24Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 25Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 26Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und  er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 27dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 28Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 29Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht.

30Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 31Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 32Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 33So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. 34Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

 

Angedacht  

„Es ist Frühling in Athen. Paulus geht spazieren. Er ist nicht als Tourist hier, sondern eigentlich auf der Flucht. Im Gefängnis war er schon, ist wundersamerweise wieder freigekommen. Seine Freunde musste er zurücklassen. Es war zu gefährlich, weiter zusammen zu reisen. Sie haben ihn hergebracht, hier nach Athen, in eine Stadt, die ein bisschen abseits liegt, deren Blütezeit vorbei ist, in der nur noch die Sonne zuverlässig jeden Mittag ihren Zenit erreicht. Blendend weiß liegt das Licht auf den Säulen der vielen Tempel und auf den Statuen. Eine warme Frühlingssonne scheint. In den Steinritzen wächst Gras. An manchen Stellen blühen sogar kleine Blumen. Hier und da bröckelt es allerdings schon ein bisschen.

Paulus muss hier warten. Er ist auf der Durchreise, ein Fremder in einer fremden Stadt voller fremder Götter. Ein unfreiwilliger Aufenthalt, eine Zwischenzeit, die er nur mit Spaziergängen füllen kann. Hätte es in Athen schon Kirchen gegeben zu Paulus‘ Zeit, hätte er sie bestimmt besucht, aus Neugier, so, wie es heute noch alle Touristinnen und Touristen in allen Städten machen, mit einem mehr oder weniger starken religiösen Interesse. Jede Kirche und jedes aus religiösen Gründen errichtete Gebäude eine kleine Gelegenheit: Doch mal schauen, ob da was ist. Ob da wirklich Gott drin ist?

Aber von Kirchengebäuden ist man hier noch weit entfernt. Noch ist es wie bei Jesus. Denn das ist ja alles noch nicht lange her. Christen wie Paulus sind zu Fuß unterwegs, frei und leicht wie die Vögel. Die Gemein-den wachsen wie kleine Blumen an den Straßenrändern des großen römischen Reichs. Sie treffen sich zum Gebet und zum Gottesdienst in Innenhöfen und Wohnzimmern, zur Not auch draußen am Fluss. So war es bei Lydia in Philippi gewesen, als die Botschaft von Jesus zum ersten Mal nach Europa geschwappt war.

Auf dem religiösen Markt hier in Athen scheint das Angebot groß zu sein. Schwer ist da vielleicht nur die Auswahl. Aber sogar für die, die sich nicht recht festlegen mögen, findet sich etwas im Angebot: Einen Altar für den unbekannten Gott.

Paulus geht und sieht und hört und liest. Und je länger er das tut, desto fremder fühlt er sich in dieser Stadt, in dieser Welt. Viele und unbekannte Götter, was soll das sein? Für ihn, den schriftgelehrten Juden, gab es noch nie viele oder unbekannte Götter. Immer nur den einen, den einzigen. Von dem man sich übrigens auf gar keinen Fall ein Bildnis machen darf. Ein Gott, der sich dafür Moses in der Wüste persönlich vorgestellt hat, mit einem Namen: Ich werde sein, der ich sein werde. Ein Name, der Versprechen und Rätsel zugleich ist und mehr als genug Stoff zum Nachdenken gibt, auf langen, einsamen Spaziergängen durch fremde Städte mit vielen Götterbildern ganz besonders. Es ist heiß, die Sonne sticht plötzlich und Paulus ist genervt von der ausgestellten Beliebigkeit in religiösen Fragen hier in Athen, von all den religiösen Gebäuden ohne einen bekannten Gott drin. Aber mit Konfrontation wird er nicht weiterkommen, das ist ihm schon klar.

Und so versucht er es anders. Stellt sich mitten auf den Areopag, auf die blendend hellen Steine mit den bröckelnden Rändern, zwischen denen das Gras grün herauswächst und fängt erst einmal ganz anders an. Er will sie ja kriegen, die Athener und da kann man gar nicht dick genug auftragen am Anfang: Ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt sagt er. Und denkt dabei, dass sie es hier dringend nötig hätten, diese Stücke auch mal zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Paulus will, wenn überhaupt ein Bild, dann ein Mosaik, nicht bloß bunte Steinchen. Aber das denkt er nur und sagt es nicht.

Und bleibt vorsichtig und höflich, wie ein Fremder, ein Tourist natürlich sein sollte: Gott hat die Welt gemacht, von oben bis unten, Himmel und Erde und wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Das sagt Paulus da auf dem Areopag, umgeben von Tempeln und denkt dabei an diese ganze ewige Geschichte mit dem Tempel in Jerusalem. Bei der man sich schon fragen kann, ob es wirklich so eine gute Idee war, dem wander-lustigen Gott Israels ein festes Haus zu bauen. Und ob ein Zelt in der Wüste nicht doch die passendere Unterkunft für diesen Gott ist. Er könnte jetzt auch noch auf den teilweise bedenklichen Zustand der religiösen Gebäude hier hinweisen, auf das Bröckeln und die Einsturzgefahr, die Kosten für ihre Unterhaltung. Aber er will ja niemandem an diesem sonnigen Frühlingstag die Laune verderben.

Bevor sich die Athener angegriffen fühlen könnten, lenkt Paulus schon wieder ein. Wir sind uns doch einig: Gott hat uns Menschen nicht nötig und lässt sich nicht von Menschenhänden dienen. Damit können sie hier etwas anfangen. Vor allem die Stoiker, die das Nichts-nötig-haben zu einer Lebenshaltung machen und deren Gottesbild auch danach ist. Und dann trickst Paulus auch noch ein bisschen. Zitiert einen griechischen Dichter, aber setzt an die Stelle des griechischen Gottes Zeus einfach seinen Gott: Denn in ihm leben, weben und sind wir, wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da nicken die Athener, bevor sie merken, dass sie eigentlich den Kopf schütteln müssen. Wer wäre nicht gerne göttlichen Geschlechts. Solange Paulus an seinen und die andern an ihren Gott denken dabei, solange man in diesem religiösen Mosaik einfach ein Gottesteilchen gegen ein anderes austauschen kann, gibt es natürlich keinen Streit.

Die Athener lassen Paulus erst stehen, als er von Jesus anfängt. Das ist ihnen dann plötzlich doch zu konkret und zu persönlich. Der Gott, von dem Paulus spricht, hat seine Menschen nötig, sucht eine Beziehung zu ihnen, will ihnen nahe sein, ist nicht ferne einem jeden von uns. Dieser Gott wird selbst ein Mensch mit Namen und Gesicht: Jesus von Nazareth, der Wanderprediger, der es mit Tempeln überhaupt nicht so hatte, aber dafür mit Vögeln und Blumen. Ein seltsamer Spaziergänger, immer ein bisschen fremd in der Welt und doch ganz und gar in ihr drin. Dem man beim Leiden zugucken konnte und beim Sterben. Und den sie drei Tage später suchten in einem Grab, in dem er nicht mehr zu finden war.

Gut, denken die Athener, sowieso ein bisschen zu heiß hier in der Mittagssonne. Dem armen Kerl da scheint sie auch nicht gut bekommen zu sein. Und sie verabschieden sich, höflich bis zum Schluss. Wie man es nur kann, wenn es einen wirklich nicht interessiert: Wir wollen dich darüber ein anderes Mal weiterhören. Heißt: nie. Telefonieren ging ja zum Glück sowieso noch nicht.

Es ist Frühling in Berlin und ich denke an Paulus an diesem sonnigen Tag auf dem Areopag. Da steht er auf den weißen Steinen mit den bröckelnden Rändern, durch die es schon grün und neu hindurchwächst. Es ist der Frühling der Kirche. Sie fängt erst an, zu wachsen. Noch besteht sie vor allem aus Menschen und nicht aus Gebäuden und Verwaltung. Noch wachsen die Gemeinden wie kleine Blumen. Und auch Paulus‘ Worte fallen wie Blumensamen in Steinritzen in einige Menschenherzen. Ein Mann und eine Frau und noch ein paar andere gehen mit ihm, als er vom Areopag weggeht. In ihnen hat etwas angefangen. Es wird wachsen und blühen.

So geht Gemeinde. So geht Kirche. Die bröckelnden Tempel getrost stehen lassen. Rausgehen auf die Straßen und die Marktplätze, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Ins Gespräch kommen, anschlussfähig sein für andere Überzeugungen, das Gemeinsame suchen, aber auch klar sein mit den Unterschieden, wie Paulus. Wir tun es jetzt auch, nicht freiwillig, sondern weil wir es müssen in dieser Zeit der Pandemie, in der es draußen einfach besser ist als drinnen, für unsere Gesundheit und unser Leben. Aber auch für die Gesundheit und das Leben unserer Gemeinden, unserer Kirche. Es ist ja nicht überall Gott drin, wo Gott draufsteht. Gott wohnt immer noch nicht gerne in Tempeln. Es ist Frühling in Athen, in Berlin. Und in der Kirche.

Amen

 

EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein                                                                

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Fürbitten und Vaterunser

Ewiger Gott, du atmest mit uns, du liebst und wir leben, du bist die Quelle. Dir vertrauen wir uns an.

 

Du machst neu, wo Altes enden muss. Wir bitten dich für alle, die aufbrechen und nach einem neuen Miteinander suchen. Wir bitten dich für alle, die in ihrem Alltag dem Frieden dienen.

Wir bitten dich für alle, die für andere einstehen und sie schützen. Du bist das Leben – erbarme dich.

 

Ewiger Gott, du gibst Leben, wo der Tod regieren will. Wir bitten dich für alle, die trauern und ohne Hoffnung sind. Wir bitten dich für alle, die mit dem Tod ringen und voller Schmerzen sind. Wir bitten dich für alle, die verzweifelt sind

und deren Klagen verstummen. Du bist das Leben –

Erbarme dich.

 

Ewiger Gott, du begeisterst und weist uns ins Weite. Wir bitten dich für alle, die nach dir Ausschau halten, die sich an dir festhalten und die auf dein Wort hören. Wir bitten dich für deine Gemeinde - für alle, die in dir bleiben wollen und auch für die, die in Zweifel und Angst leben. Wir bitten dich für unsere Kinder und für alle, die zu uns gehören. Du bist das Leben – du atmest mit uns, du liebst und wir leben, du bist die Quelle. Dir vertrauen wir uns an durch Jesus Christus, auferstanden von den Toten, damit wir bei dir leben. Voller Vertrauen auf diese Zusage beten wir auch gemeinsam

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Texte von Pfarrerin Kathrin Oxen und  Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.d


Häusliche Andacht zum Sonntag Misericordias Domini-Hirtensonntag

Im Frieden unseres Gottes. Amen

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

ich habe sie gerade in Gadenstedt gesehen: eine Schafsherde. Schafe, die auf der grünen Weide grasen. Welch schönes Bild im Frühjahr! In der Bibel begegnet uns oft das Bild von der Herde und Jesus als guter Hirte oder Gott, der sich um uns sorgt wie ein Hirte. Wir sind als Christ*innen zu einer Herde berufen, die sich gemeinsam freut, aber auch gemeinsam Schweres trägt. Daher werden wir in diese Andacht auch eingeladen, den Opfern der Pandemie zu gedenken.

 

Wir grüßen Sie mit dem Wochenspruch: 

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10, 11a. 27-28a)

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre/ Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

In Gottes Namen verbunden.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen

 

EG 574 Der Herr ist mein Hirte

1. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

2. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Der Herr ist mein Hirte.

3. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

4. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

5. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

6. Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Gebet:

Guter Gott, du bist für uns wie ein guter Hirte. Bewahre uns vor Gefahren, sammle alle, die in Bedrängnis sind, gib uns jeden Tag aufs Neue Hoffnung. Darum bitten wir dich Gott, durch den auferstandenen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen

 

Lesung

Bibeltext des Tages aus dem Johannesevangelium Ez 34

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

 

Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Und niemand ist da, der nach den Schafen fragt oder sie sucht. (Ez 34, 2-4.6)

 

Angedacht  

„Schafe gehören zu den schwer zu hütenden Tieren. Aufgrund ihres dicken Fells sind Schafe sehr unempfindlich gegenüber Strom. Damit das Schaf auch durch die dicke Wolle noch ausreichenden Hautkontakt mit dem Elektrozaun erfährt, sollte bevorzugt Weidezaunlitze oder verzinkter Draht mit einer hohen Leitfähigkeit verwendet werden. Die sehr gute Leitfähigkeit sichert eine optimale Hütesicherheit auch über lange Zaunstrecken“, schreibt ein Anbieter von Weidezaunsystemen.

Schafe gehören zu den schwer zu hütenden Tieren. Und wenn man seine Ruhe haben möchte, dann muss man schon einen Zaun um sie machen. Das wissen die Hirten und legen sich entsprechende Zäune zu. Ein solcher Zaun nützt aber nur dann, wenn es um eine Gefahr von außen geht, um so etwas wie Wölfe zum Beispiel. Sehr schwierig wird es allerdings, wenn es die Hirten selbst sind, die die Herde bedrohen.

Der Prophet Ezechiel spricht von Hirten und Schafen. Aber gemeint sind mit diesem Bild die politischen Verhältnisse zu seiner Zeit. Lange her, aber das, was Ezechiel anspricht, hat vor auf den Tag genau 500 Jahren den Augustinermönch Martin Luther dazu gebracht, sich vor den Kaiser zu stellen und die berühmten Worte zu sprechen: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen.“

Auf dem Reichstag zu Worms am 17. und 18. April 1521 erreichte die Auseinandersetzung zwischen Martin Luther und der Kirche seiner Zeit einen ersten Höhepunkt. Da stand einer, der Vorschläge machte zur Erneuerung der Kirche, zu Abschaffung von Missständen wie der Geschäftemacherei, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch. Es waren vor allem die großen Schriften des Jahres 1520, die den Funken der Reformation im ganzen Land entzündet hatte.

Im „Sermon von den guten Werken“ verfasste Luther eine deutschsprachige Fassung seiner Ablassthesen. Bald darauf veröffentlichte er „An den christlichen Adel deutscher Nation“. Diese Schrift enthielt eine wagemutige These: „Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das kann sich rühmen, dass es schon zum Bischof, Priester und Papst geweiht ist“. Die bis dahin geltende Unterscheidung zwischen dem Klerus und den soge-nannten Laien gibt es nicht mehr, sagt Luther. Die Schafe brauchen keine Hirten mehr, jedenfalls solche nicht. Und auch wenn gelegentlich in der evangelischen Kirche noch von „Laien“ die Rede ist - nach Luthers Auffassung ist dieser Unterschied nicht zu begründen. Die beiden Schriften „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ entfalteten eigentlich die radikale Infragestellung einer Trennung zwischen Klerikern und Laien, zwischen Hirten und Schafen nur noch weiter. Mit dem Ergebnis: Wenn wir so schlechte Hirten haben, dann hüten wir uns lieber selber.

Anders als bei den teuren Ablassbriefen zeigten Luthers Schriften ihre Wirkung nicht erst im Jenseits, sondern schon in der Gegenwart der Menschen. Darauf hatten sie doch irgendwie alle gewartet, auf solche Worte, die ihnen Zuversicht und Befreiung schon im Hier und Jetzt schenkten. Die sie erlösten von der Sorge, es könne nicht genug sein, nicht ausreichen, weder ihre Reue noch ihre guten Werke oder all die Ablassbriefe, die sie kauften. Dass dies alles irgendwie an ein Ende gekommen war, spürten sie wohl alle. Je mehr da zu sehen und anzufassen war, je mehr Kapellen und Messen in kostbaren Gewändern und in Gold und Silber gefasste Reliquien es gab, desto weniger konnten das spüren, was sie doch alle suchten: Vergebung und Befreiung statt Schuldgefühlen und Abhängigkeit. Der Abstand zwischen den Hirten und der Herde war einfach zu groß geworden.

Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Ja, das sollen sie und dabei nicht zuerst auf den Vorteil sehen, den sie daraus ziehen können, auf das Fett und die Wolle und den Braten. Das ändert sich nicht, über die Zeiten und Orte hinweg. Eine gute Regierung, eine gute Leitung - auch und gerade in der Kirche müssen das Hirtinnen und Hirten sein, die zuerst nach der Herde fragen, statt sich selbst zu weiden. Und danach sehnen sich Menschen zu allen Zeiten an allen Orten. Sie mögen ja manchmal Schafe sein oder sich wie welche benehmen. Aber sie haben einen guten Instinkt dafür, was ihre Hirten wirklich interessiert. Es ist gefährlich, wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass sie schlechte Hirten haben und es niemanden gibt, der nach ihnen fragt oder sie sucht.

Sie werden dann empfänglich für eine bestimmte Art von Hirten, die ihnen genau das versprechen: Dass es zuerst um sie geht und nur um sie, um Amerika, Frankreich, Großbritannien oder Deutschland zuerst und über alles. Wölfe im Hirtenpelz versprechen so etwas. Was daraus entsteht, wissen wir aus unserer Geschichte. Die Herde weiden, heißt: Das Schwache stärken, das Kranke heilen, das Verwundete verbinden, das Verirrte zurückholen und das Starke behüten. Ein Hirte geht nicht mit seinem Stock vorweg. Hirten gehen immer hinter ihrer Herde, damit sie alle im Blick behalten. Vor allem die, die drohen, auf der Strecke zu bleiben. Hirten knien sich oft hin. Sie scheuen sich weder vor Dreck noch vor Blut und sie geben keines der ihnen anvertrauten Schafe achselzuckend verloren.

Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. (Ez 34, 15f.)

Der Prophet Ezechiel erzählt, dass Gott genug von schlechten Hirten und Wölfen im Hirtenpelz hat. Und selbst zum Hirten wird, der nach seinen Schafen fragt und sie sucht, ihnen nachgeht und sie behütet. Die Sehnsucht nach so einem guten Hirten klingt durch die ganze Bibel. Sie wird in Psalm 23 zu einem Lied: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“

Später erzählt auch Jesus Geschichten von guten und schlechten Hirten. Und verspricht allen, die ihm zuhören, dass er der gute Hirte ist. Von diesem guten Hirten siehst du nicht nur den Rücken, weil er immer vorne voran geht. Dem guten Hirten siehst du ins Gesicht, wenn du den Weg verloren hast und nicht weiter weißt. Dann musst du dich nur kurz nach ihm umdrehen, denn du weißt ja: Er ist doch da. Er ist hinter dir, mit Stecken und Stab, um dich zu behüten. Sieh ihn an und dann kannst du getrost weitergehen.

Das ist das Geheimnis des Hirtenamtes: Geduldig und zuverlässig hinter den anvertrauten Schafen zu bleiben, damit sie ihren eigenen Weg finden können. Das Verlorene suchen, das Verirrte zurückbringen, das Verwundete verbinden und das Schwache stärken. Aber auch das Starke behüten. Ein Hirte darf sich nicht scheuen, sich hinzuknien zu seinen Schafen. Er hilft ihnen auf, dass sie auf die Beine kommen. Aber sie sollen selbst ihren Weg finden. Und wenn es gut geht, dann entdecken die Schafe ihre eigenen Hirtenqualitäten. Denn wenn sie jemand haben, den nach ihnen fragt und sie sucht, dann können sie das auch für andere tun. So funktioniert eine christliche Gemeinde, so funktioniert eine Kirche und auch eine Gesellschaft: Wenn wir einander zu Hirten werden.

Ein Hirtenleben ist ein Leben hinter der Herde, in dem Staub, den sie manchmal aufwirbelt, mit ihrem auch nicht immer wohltönenden Blöken ständig im Ohr. Und es lässt sich in einem Hirtenleben auch nicht vermeiden, in das eine oder andere Häufchen hineinzutreten. Manchmal wünscht man sich aus tiefstem Herzen einen Zaun mit guter Leitfähigkeit für all die anderen Schafe. Damit mal Ruhe ist. Aber die gute Leitfähigkeit, die müssen Hirten selber haben.

Und dann wird dem guten Hirten viel geschenkt: Die grünen Weiden und das Hüpfen der jungen Lämmer im Frühling. Die Momente, wo es alle in die gleiche Richtung zieht und das Geräusch, das man hört, wenn alles Blöken verstummt ist: Zufriedenes Rupfen an grünem Gras, der Wind in den Blättern der Bäume. Und die große Stille unter einem hohen Himmel.

Amen

 

EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Fürbitten und Vaterunser

Wir bringen alles vor dich, Gott, was uns umtreibt, wenn wir an die Corona-Pandemie denken: unseren Schmerz, unsere Unruhe und Angst, auch unsere Ohnmacht.

Oft waren und sind wir traurig, haben geweint. Wir spüren Ratlosigkeit, fühlen, dass wir nicht mehr weiterkönnen. Schwere Erfahrungen liegen hinter uns. Manchmal konnten wir uns nicht einmal von den liebsten Menschen verabschieden.

Du hast versprochen, uns nicht fallen zu lassen – aber uns wankt der Boden unter den Füßen. Stärke uns, die Last dieser Zeit auszuhalten. Gib uns Kraft, die uns lebendig hält. Wir brauchen sie jetzt!

 

// Wir denken an die Menschen, die im letzten Jahr von uns gegangen sind und legen sie dir liebend ans Herz: ... [hier einzelne oder alle Namen der aus der Gemeinde Verstorbenen dieses Corona-Jahres nennen/an Corona Verstorbene, oder alle, von denen wir nur in engsten Kreis haben Abschied nehmen können]

Bei dir sind ihre Namen längst in den Himmel geschrieben. Sie werden auch dort weiterleben und leuchten wie die Sterne. Es ist und bleibt unsere Hoffnung: Kein Leid mehr, keine Tränen, kein Schmerz mehr bei dir!

Wir bitten dich auch für ihre Familien und Freunde. Lass sie spüren, wie sehr du sie gerade jetzt trägst und stützt. Du warst in der Fülle ihnen nahe, so teilst du nun auch ihre Leere! Lass sie jetzt nicht untergehen in ihrem Schmerz. Lass sie spüren, dass du da bist: im Schweigen genauso wie in der liebevollen Geste, im behutsamen Wort genauso wie in helfenden Händen.

 

Gesungen oder gesprochen (in Anlehnung an EG 382):

Wir steh‘n vor dir mit leeren Händen, Herr.

Fremd wie dein Name sind uns deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach dir.

Dein Los ist Tod – hast du nicht andern Segen?

Bist du der Gott, der Zukunft uns verheißt?

(ALLE) Wir möchten glauben, komm du uns entgegen!

 

// Wir bitten dich für die Erkrankten. Durchströme sie mit deiner Kraft. Nimm ihre Angst, stärke ihre Zuversicht. Gib, was jetzt heilsam wirkt für sie.

 

Für die Pflegerinnen und Pfleger, für Ärztinnen und Ärzte bitten wir dich. Hilf ihnen, auszuhalten und zu ertragen, was sie zurzeit an Druck und besonderer Belastung erleben. Bewahre ihre Seelen vor Schaden. Mach sie mutig und hoffnungsvoll für ihr Leben und ihren Dienst.

 

Für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, Therapeutinnen und Therapeuten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bitten wir dich, Gott: Stärke sie. Lass sie nicht allein!

 

Für alle, die politische Verantwortung tragen, für die Wissenschaftler und Forscherinnen. Die Situation ist so undurchsichtig und schwer zu bewältigen. Gib Weisheit und Mut in den Entscheidungen.

 

Gesungen oder gesprochen (in Anlehnung an EG 382):

Wir steh‘n vor dir mit leeren Händen, Herr.

Fremd wie dein Name sind uns deine Wege.

Seit Menschen leben, rufen sie nach dir.

Dein Los ist Tod – hast du nicht andern Segen?

Bist du der Gott, der Zukunft uns verheißt?

(ALLE) Wir möchten glauben, komm du uns entgegen!

 

// Gott, lass uns Ruhe finden in dir. Mitten in diesem Auf und Ab der Gefühle, in allen schwierigen Entscheidungen und der kaum planbaren Zukunft, aber auch inmitten unserer Einsamkeit, lass uns deine Stimme hören, die Stimme des guten Hirten, der sagt:

Ich führe dich auch durch dunkle Täler. Ich decke dir den Tisch und schenke dir voll ein.

Du darfst bleiben in meinem Haus immerdar.

 

So voller Vertrauen auf diese Zusage beten wir auch gemeinsam zur dir das Vaterunser:

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Texte von Pfarrerin Kathrin Oxen und Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti

Im Frieden unseres Gottes. Amen

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger, nun ist schon eine Woche seit Ostersonntag vergangen, doch Ostern ist nicht vorbei. Wir sind mitten in der österlichen Freudenzeit. Möge die Osterhoffnung weiter bei uns wachsen.

Wir grüßen Sie mit dem Wochenspruch: 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1, 3)

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre/ Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

1. Sonntag nach Ostern. Er hat einen besonderen Namen: Quasimodogeniti. Das heißt „Wie die neugeborenen Kinder“. Wir stellen uns Babys vor: Wenn sie Hunger haben, sind sie unruhig und zappeln oder weinen, bis sie Milch bekommen. Dann trinken sie und werden ganz friedlich. Sie werden gestillt – werden still. In der Bibel steht: So wie Babys nach Milch suchen, so sollen wir nach Gottes Wort suchen. Gottes Worte sind nahrhaft wie Milch. Sie sind Nahrung für uns, dass wir wachsen. Gottes Wort tut gut. Es kann aufgewühlte Seelen stillen, wir werden ruhig und friedlich. In diesem Bedürfnis nach Frieden und Seelenruhe sind wir versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben einander nah.

In Gottes Namen verbunden.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - sein Friede sei mit uns allen. Amen

 

EG 432 Gott gab uns Atem, damit wir leben

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn. Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn. Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gebet:

Guter Gott, du hast uns erfüllt mit österlicher Freude: Hilf, dass sie in uns lebendig bleibt und durch uns durchstahlt. Darum bitten wir dich Gott, durch den auferstandenen Sohn, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen

 

Evangelium

Bibeltext des Tages aus dem Johannesevangelium Joh 21, 1-14

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

 

211Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.« Evangelium unsers Herrn Jesus Christus.- Lob sei dir Christus

 

Angedacht  

I. Da gehen sie. Eine Woche nach Ostern. Da gehen sie. Sie gehen zum See. Sieben Mann. Petrus, Thomas, Nathanael, Jakobus und Johannes und noch zwei andere. Ostern ist vorbei. Aber auch sowas von vorbei. Sie hatten Jesus gesehen. Er lebt … Und dann ist alles irgendwie merkwürdig weg. »Ich will fischen gehen … Ok, wir kommen mit.« Als wäre nie was gewesen. Ostern weg? Jesus weg? Fischen gehen? Einfach weiterwursteln?

»Und in dieser Nacht fingen sie nichts …«

II. Da gehen wir. Eine Woche nach Ostern. Da geh’ ich zum See. Und ich nehme Euch mit. Ostern ist vorbei. Sowas von vorbei? Hat Ostern was mit uns gemacht? Oder gehen wir einfach wieder an unsere Seen … und auf unsre Felder und in die Werkstatt, ins Büro, in die Schule, ins Homeoffice? Wursteln wir einfach weiter? »Und in dieser Nacht fingen sie nichts …« Habt Ihr schon was gefangen? Ein bisschen Durchblick vielleicht? Oder Hoffnung sogar – großes Wort – womöglich einen Blick nach vorn in seltsamen Zeiten? Oder eher doch nichts?

III. Da kommt er. Eine Woche nach Ostern … Ich weiß ja nicht, was Jesus so denkt. Wenn ich er wäre – ich würde denken:  »Geht’s noch? Grad bin ich auferstanden – ich lebe, und Ihr sollt auch leben – und dann geht Ihr einfach so fischen? Und ins Homeoffice und in den Betrieb? Einfach so, als wäre nix?« Und ich würde den Kopf schütteln. Aber ich bin nicht Jesus. Jesus ist Jesus.

Und der schüttelt nicht den Kopf. Der macht etwas anderes. Der geht einfach hin.  »Sie gehen fischen? Ok, dann geh’ ich auch mit.«

IV. Vom Essen reden. Eine Woche nach Ostern. Am See Tiberias mit Petrus und den anderen. Und am See in Graitschen. Mit uns. Und da steht Jesus plötzlich da. Genau am Ufer. Am Ufer des Sees. An den Ufern des Lebens: Steht da, auf dem Feld, im Büro, hinter mir am Computer. Und er fängt an, zu reden. Interessanterweise redet er die ganze Zeit vom Essen. Nur viermal sagt er was in dieser langen Geschichte. Vier kleine Wörter; Das erste: »Kinder, habt ihr nichts zu essen?« Das zweite: »Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden.« Das dritte: »Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!« Und das vierte: »Kommt und haltet das Mahl!« Jesus schwingt keine großen Reden. Nichts Großes diesmal. Aber dafür ganz Nahes. »Habt Ihr alles, was Ihr braucht? Habt Ihr Brot? Habt Ihr Fisch? Habt Ihr Kraft? Habt Ihr was für euren Herzhunger und Euren Seelendurst? Braucht Ihr noch was? Kommt, esst!« Und da merken sie was.  »Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus:  Es ist der Herr!«

V. Erkannt

Eine Woche nach Ostern … Da steht Jesus. Bei mir am Schreibtisch. Bei Euch an der Arbeit. Und zu Hause. Und bei Euren Sorgen. Und er fragt: »Hast Du genug? Was brauchst Du? Jetzt, genau?« Er fragt nach den alltäglichen Dingen. Und da wird’s Ostern. Und da bleibt’s Ostern. Auf dieser Fahrt. Dieser Fahrt von Ostern weg durchs Leben ins Alltägliche. Da, wo wir weiterwursteln. Und er sagt: »Ich weiß schon. Du musst ja. Hilft ja nichts. Aber wenn Du schon weiterwursteln musst, dann helf ich Dir dabei. Ich hab schon, was Du brauchst. Spürst Du’s?«

Amen.

 

EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

4. Es singt der ganze Erdenkreis dem Gottessohne Lob und Preis, der uns erkauft das Paradeis. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Fürbitten und Vaterunser

(eine*r betet für sich oder für alle in der Hausgemeinschaft)

 

Gott.

Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Gott. An diesem Morgen bitten wir Dich: Bleibe du uns nah,

auch wenn wir uns weiterhin voneinander fernhalten müssen.

Bleib uns nah, dass wir dich nicht nur im Glück und Erfolg erkennen, sondern auch in all unseren Erfahrungen von Leere und Scheitern, von Abschied und Tod. Fülle du unsere Netze, wenn sie leer sind, mit allem, was es braucht.

Stille

Für die Traurigen beten wir und bitten dich um Zeichen der Fürsorge, die auch auf Abstand Nähe schenkt und Trost.

Für die Fröhlichen beten wir und danken für alle Osterstimmung in diesen Tagen, für alle Heiterkeit, für den Humor, für fröhliches Lachen.

Stille.

Wir beten für alle, die Leben schützen und retten.

Für die Verantwortlichen in Wissenschaft und Politik.

Für den Frieden und das Recht.

Stille.

Wir beten für all die kleinen Herzen, die schon schlagen, in Menschen, die noch nicht geboren sind, doch deren Ankunft uns schon jetzt bewegt.

Für die schaukelnden Boote auf offenen Meeren und alle die gebeugten

Menschen darin. Führe sie an rettende Ufer.

Für uns alle, die wir mal recht mal schlecht durchs Leben rudern und unsere Netze auswerfen auf der Suche nach dem großen Fang.

Für die Welt, die nicht von dieser Welt ist, kein Sterbenswörtchen mehr davon, nur Lebensworte und offene Arme und alles ist bereit - dass wir die nicht aus den Augen verlieren in allem, was wir tun.

Stille.

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Gemeinsam beten wir mit Jesu Worten: Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name….

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

Texte von Pastorin Marianne Gorka, Pastor Michael Greßler und  Pastor D.C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de


Häusliche Andachten in der  heiligen Woche auf dem Weg zum Osterfest

Im Frieden unseres Gottes. Amen

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

wir hätten es uns letztes Jahr nicht vorstellen können, dass auch in diesem Jahr das Osterfest nicht in der gewohnten Form mit Gottesdiensten stattfinden wird. Wir als Kirchengemeinde-verband wollen zusammenstehen und uns dafür einsetzen dass wir in sicherer Distanz eng verbunden bleiben. Daher bieten wir in der heiligen Woche folgende Möglichkeiten für Gottesdienste an: am Gründonnerstag ein Zoom-Videokonferenz-Gottesdienst mit der Feier des heiligen Abendmahls um 18:00 Uhr. Anmeldung über unsere Homepage (www.oelga-kirche.de). Darüber hinaus befindet sich in diesem Heft eine Andacht mit Abendmahl für zu Hause. Am Karfreitag gibt es auf unserer Homepage eine Video-Andacht und eine gedruckte Andacht in diesem Heft. Ab Ostersonntag befindet sich auf unserer Homepage ein Ostergottesdienst als Video mit Pastor Joachim Rohrlack und Pastor Dominik C. Rohrlack.

Auch wenn Ostern anders sein wird, so sind wir im Glauben an den Auferstandenen verbunden.   

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre/ Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

 

Gründonnerstag

Vorwort

Heute am Gründonnerstag dürfen wir uns von Jesus einladen lassen, auch uns will er wie den Jüngern damals beim Abendmahl begegnen. Auch wenn normalerweise die Leitung der Abendmahlsfeier an die Ordination gebunden ist, so ist in Notzeiten allen getauften Christinnen und Christen erlaubt es einzusetzen bzw. sich gegenseitig Brot und Wein weiterzugeben.  

 

Vorbereitung

Bereite/bereitet den Tisch vor. Eine schlichte Tischdecke und ein Kreuz, etwas geschnittenes Brot und einige Becher mit Traubensaft oder Wein.

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Sein Friede sei mit uns allen. Amen

 

Lied: EG 398 In dir ist Freude

1. In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ! Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist; hilfest von Schanden, rettest von Banden. Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G’müte, an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod; du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not. Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

 

Gebet:

Gott, ich/wir bin hier – du bist hier. Mehr braucht es nicht.

In Glauben und Gebet bin ich / sind wir mit dir verbunden.

In Glauben, Gedanken und Gebet bin ich mit so vielen verbunden, die ich kenne.

Mancher fehlt mir gerade jetzt besonders.

Sei du bei uns allen. Lass uns deine Nähe spüren.

Amen.

 

Lesung I aus Matthäus 26 (Basisbibel-Übersetzung)

(laut für sich lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)

Es war der erste Tag vom Fest der ungesäuerten Brote.

Da kamen die Jünger zu Jesus und fragten: »Wo sollen wir das Passamahl für dich vorbereiten?« Jesus antwortete: »Geht in die Stadt zu einem Mann, den ich euch nenne. Richtet ihm aus: ›Der Lehrer lässt dir sagen: Die Zeit, die Gott für mich bestimmt hat, ist da. Ich will bei dir das Passamahl feiern –zusammen mit meinen Jüngern.‹«

Die Jünger machten alles so, wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte. Und sie bereiteten das Passamahl vor.

 

Etwas tun I

Deck/t den Tisch. Es muss nicht perfekt sein. Aber vielleicht nimmst du das ein bisschen bessere Geschirr. Das Lieblingsglas. Weil du es wert bist. Eventuell sind ja da hinten im Küchenschrank noch schöne, nur ein wenig angeknitterte Servietten. Stell die Kerze dazu. Das, was du/ihr essen mögt. Vielleicht alles Grüne, was sich so im Kühlschrank findet.

Was du/ihr auf jeden Fall brauch(s)t: ein Stück Brot und ein Schluck Wein oder Saft (notfalls geht auch Wasser).

 

Lesung II aus Matthäus 26 (Basisbibel-Übersetzung)

(eine*r liest vor)

Als es Abend geworden war, ließ sich Jesus mit den zwölf Jüngern zum Essen nieder.

Während sie aßen, sagte er zu ihnen: »Amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.«

Die Jünger waren tief betroffen. Jeder Einzelne von ihnen fragte Jesus: »Doch nicht etwa ich, Herr?«

Jesus antwortete: »Der sein Brot mit mir in die Schale taucht, der wird mich verraten. Der Menschensohn muss sterben. So ist es in der Heiligen Schrift angekündigt. Aber wehe dem Menschen, der den Menschensohn verrät. Er wäre besser nie geboren worden!«

Da sagte Judas, der ihn verraten wollte, zu Jesus: »Doch nicht etwa ich, Rabbi?« Jesus antwortete: »Du sagst es!«

 

Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (EG  382, 1-2)

1. Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege. Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott; mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.

2. Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, mein Unvermögen hält mich ganz gefangen. Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben? Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?

 

Angedacht  

Einen Platz am Tisch haben. Versorgt werden. Weil du es wert bist: Gast sein einmal. Sogar Judas, der Abgründige, hat seinen Platz am Tisch. Und behält ihn. Vielleicht heißt das: Auch mein Abgründiges darf heute Abend am Tisch sein. Das, was mich trennt von den anderen. Was ich an mir selbst nicht verstehe. Ich habe ein Geheimnis. Eine Wunde. Trage einen Abgrund an Bedürftigkeit in mir. Nach Leben. Nach Gnade. Das geht nicht einfach weg. Auch Judas geht ja nicht einfach weg. Das Wissen ist da, mit am Tisch: etwas Böses, das Böseste wird passieren – mit Judas, mit Jesus, mit der Welt. Und: Jesus ist da. Und wahrscheinlich ist es deshalb möglich: Dass wir alle bleiben. Weil er uns am Tisch zusammenhält. Weil wir es wert sind. Trotz allem. Wegen allem. Jesus lässt uns Gast sein... einmal...wieder einmal… und wieder. Und plötzlich. Für einen Moment lassen wir es uns gefallen. Wir hören auf zu kämpfen. Müssen nichts mehr fassen. Nur einfach geschehen lassen. Wir tun nichts mehr, weil wir ohnehin nichts mehr tun können. Alles wird getan an diesem Tisch. Was geschieht, ist gut. Wir essen Brot und wir essen Liebe. Wir trinken Wein und wir trinken Gnade. Lassen geschehen. Lassen es uns gefallen... einmal...wieder einmal... und wieder. Alles Wichtige ist jetzt.

 

Lesung III aus Matthäus 26 (Basisbibel-Übersetzung)

(eine*r liest vor)

 

Beim Essen nahm Jesus ein Brot.

Er lobte Gott und dankte ihm dafür. Dann brach er das Brot in Stücke und gab es seinen Jüngern. Er sagte: »Nehmt und esst! Das ist mein Leib.«

Dann nahm er den Becher.

Er dankte Gott, gab ihn seinen Jüngern und sagte: »Trinkt alle daraus! Das ist mein Blut. Es steht für den Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Mein Blut wird für die vielen vergossen werden zur Vergebung ihrer Sünden. Das sage ich euch: Ich werde von jetzt ab keinen Wein mehr trinken – bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von Neuem davon trinken werde. Das wird geschehen, wenn mein Vater sein Reich vollendet hat.«

 

Lied: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (EG Nr. 382, 3)

3. Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Etwas Tun II: Abendmahl feiern (ein*r liest vor)

In Erinnerung an diesen Abend und an Jesu Worte feiern wir miteinander das heilige Abendmahl.

Gast sein einmal – auch am eigenen Tisch.

Gottes Gast sein und sich von ihm bewirten lassen mit Brot und Liebe.

Die Herzen weit und offen für alle, die mit uns hier sitzen oder an die wir jetzt auch über die Ferne und über die Zeiten hinweg denken.

 

Gebet (ein*r betet)

Komm, Jesus, sei du unser Gast. Sieh, was wir bringen, wer wir sind. Sei du unser Gast und segne uns. Mache müde Hände wieder stark, weiche Knie wieder fest. Erhalte uns an deinem Leben. Stärke unsere Hoffnung. Sei du unser Gast und mach uns zu deinen Gästen. Wir beten, wie du es uns gezeigt hast:

Vater unser (alle, die da sind, gemeinsam)

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Zu dem Brot, das bereit liegt, spricht jemand jetzt die Einsetzungsworte (wer mag kann an der Stelle wo das + steht ein Kreuz über Brot und Wein schlagen)

 

„In der Nacht, als Jesus verraten wurde und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte und brach es, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib +, der für euch gegeben wird.“

 

Gemeinsam essen wir das Brot und sprechen einander zu:

Christi Leib, für dich/für euch gegeben.

 

Ebenso nahm er auch den Kelch, dankte, gab ihnen den und sprach:  Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes +, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut zu meinem Gedächtnis.

 

Gemeinsam trinken wir – jeder aus seinem Becher. Wir sprechen einander zu:

Christi Blut, für dich/für euch vergossen.

 

Dankgebet und Fürbitte (ein*r betet)

Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr, und es neige sich zu uns herab dein Erbarmen. Dein ist der Tag und dein ist die Nacht. Hab Dank, Gott, für deine Nähe.

Hab Dank für Leben und Heil. Hab Dank für deine Kraft in Brot und Wein.

Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte,

mit deinem heiligen Wort und Sakrament,

mit deinem Trost und Segen.

Bleibe bei uns, wenn Trübsal und Angst über uns kommen,

die Nacht des Zweifels und der Anfechtung.

Bleibe bei / Bleibe bei uns, wenn....

(für die Menschen oder Situationen, an die du gerade besonders denkst, die Gottes Nähe gerade besonders brauchen)

Bleibe bei uns und allen deinen Kindern.

Jetzt und in alle Ewigkeit.

Amen.

 

EG 221 Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen

1. Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: Wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder,

Schwestern und Brüder.

 

Segen

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns und der ganzen Welt Frieden.

Amen

 

EG 190.2) Christe, du Lamm Gottes

1) Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd’ der Welt,

erbarm’ dich unser!

 

2) Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd’ der Welt,

erbarm’ dich unser!

 

3) Christe, du Lamm Gottes! der du trägst die Sünd’ der Welt,

gib uns deinen Frieden!

 

Amen.

 

Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit Amen

Texte von Marianne Gorka, Birgit Mattausch und D.C. Rohrlack


Andacht zum Karfreitag

Vorwort

Manchmal ist es einfach unbegreiflich, das Leid und der Schmerz der begegnet. Gott scheint uns so fern. „Wo bist du Gott?“, ruft es im Herz. Am Karfreitag erleben wir nicht die Antwort auf das Warum, aber wir erleben, dass Gott selbst dem Leid nicht aus dem Weg geht, um auch uns zu zeigen: `Ich habe Leid und Tod in Christus auf mich genommen um in deiner Not dir nicht fern zu sein`.

Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre/Eure Pastoren

Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

G: Amen.

Kyrie eleison  Christe eleison, Kyrie eleison.

 Vater unser im Himmel …

Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte

und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.

Wasche mich rein von meiner Missetat

und reinige mich von meiner Sünde;

denn ich erkenne meine Missetat,

und meine Sünde ist immer vor mir.

An dir allein habe ich gesündigt

und übel vor dir getan.

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz

und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe

und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt,

erbarm dich unser.

O du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt,

erbarm dich unser.

du Gotteslamm, das der Welt Sünde trägt,

verleih uns Frieden.

 

Gebet

Jesus, du Sohn Gottes, heute denken wir an deinen schweren Weg in den Tod. Es ist dir nicht leicht gefallen. Du hast geweint und große Angst gehabt. Aber dann bis du diesen Weg doch gegangen. Hast gelitten ohne Wenn und Aber. Wir danken dir dafür.

 

Lesung: Johannes 19,16-20.25-31; (Übersetzung: Hoffnung für alle)

Sprecher*in 2: An Karfreitag hören wir die Geschichte der Passion Jesu, wie sie der Evangelist Johannes erzählt:

Sprecher*in 1:

16 Da gab Pilatus nach und befahl, Jesus zu kreuzigen. 17 Sein Kreuz trug er selbst aus der Stadt hinaus zu dem Ort, der »Schädelstätte« genannt wird, auf Hebräisch »Golgatha«. 18 Dort nagelten sie ihn ans Kreuz. Mit ihm wurden noch zwei andere Männer gekreuzigt, der eine rechts und der andere links von ihm. Jesus hing in der Mitte. 19 Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen, auf dem die Worte standen: »Jesus aus Nazareth, der König der Juden«. 20 Die Stelle, an der Jesus gekreuzigt worden war, lag nahe bei der Stadt.

25 Bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und ihre Schwester, außerdem Maria, die Frau von Kleopas, und Maria aus Magdala. 26 Als Jesus nun seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er sehr lieb hatte, sagte er zu ihr: »Das ist jetzt dein Sohn!« 27 Und zu dem Jünger sagte er: »Sie ist jetzt deine Mutter.« Von da an nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus. 28 Jesus wusste, dass nun sein Auftrag erfüllt war. Doch die Vorhersage der Heiligen Schrift sollte voll und ganz in Erfüllung gehen, darum sagte er: »Ich habe Durst!« 29 In der Nähe stand ein Krug mit Essigwasser. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen langen (Ysop)-Stab und hielten Jesus den Schwamm an den Mund. 30 Nachdem Jesus ein wenig davon probiert hatte, rief er: »Es ist vollbracht!«

Dann ließ er den Kopf sinken und starb. 31 Das alles geschah am Tag vor dem Passahfest, das in diesem Jahr auf einen Sabbat fiel.

 

Lied: O Haupt, voll Blut und Wunden (EG 85,1-3.9) (gesungen oder angehört oder vorgelesen)

1. O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron,

o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

 

2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’?

 

3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen; des blassen Todes Macht hat alles hingenommen, hat alles hingerafft, und daher bist du kommen

von deines Leibes Kraft.

 

9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür;

wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten

 

Glaubensbekenntnis

Bekennen wir uns zu dem, der sich zu uns bekennt:

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Verkündigung zu Jesaja 52,13-53,12 (nach der Übers. von Werner Grimm, Stuttgart 1990):

(gern im Wechsel der Stimmen)

Sprecher 2:

Im Alten Testament, beim Propheten Jesaja im 53. Kapitel, wird von einem Menschen erzählt, der auch schwer gelitten hat. Knecht Gottes wird er genannt. Die ersten Christen haben in ihm den leidenden Jesus gesehen. Die Worte von Jesaja erinnern an eine Trauerliturgie, einen Nachruf in Gedichtform, wie man ihn bei einer Bestattung vorträgt:

Hören wir von der Geburt des Gottesknechtes:

Sprecher*in 1:

Er schoss auf (vor Gott) wie ein Wurzelspross aus der Erde.

Und doch war er zuerst nur ein unscheinbarer Säugling.

Er hatte keine gute Figur und Schönheit, die wir gerne gesehen hätten.

Sprecher*in 2:

Der Prophet redet von einem Kind.

Wir Christen können darin Jesus entdecken.

Schon in der Krippe, im Stall hat die dunkle Geschichte begonnen. Weder Glanz noch Pomp. Kein „holder Knabe im lockigen Haar“. Er ist der Sohn einfacher Leute.           

Die Mutter und das Kind überleben bei der Geburt und die Familie auf der folgenden Flucht.

Gerade mal so.

Hören wir weiter vom Leiden des Gottesknechtes:

Sprecher*in 1:

Verachtet und verlassen von Menschen war er.

Ein Mann der Schmerzen, vertraut mit Krankheit.

Wie einer, vor dem man sein Gesicht verbirgt und sich wegdreht.

Ja es ist wahr: Er war voller Schmerzen und Krankheit. Und schleppte sie fort.

Wir (Menschen) dachten: Gott hat ihn geplagt und geschlagen.

Aber er wurde wegen unseren Verbrechen durchbohrt.

Zerschlagen durch unsere Schuldenlast.

Die Strafe liegt auf ihm. Deshalb haben wir Frieden.

Durch seine Wunden sind wir geheilt.

Sprecher*in 2:

Der Knecht Gottes hat schwer gelitten. Eine tödliche Krankheit musste er ertragen. Sein Körper voller Geschwüre. Die Menschen um ihn her sahen das. Sie dachten: Da leidet einer zurecht. Er hat etwas Böses getan. Er hat das sicher verdient und kriegt seine gerechte Strafe. Gott ist zornig auf ihn. Er selbst will es so.

Das dachten manche auch, als Jesus am Kreuz hing. Ein Volksverhetzer. Einer, der gottlose Reden geschwungen hat und Menschen damit verführte. Deshalb haben sie Jesus den Prozess gemacht, ihn gefoltert, voll menschen-verachtender Gewalt. Aber sie lagen ganz falsch. Die Verurteilung war ein Justizirrtum und die Hinrichtung eine Gräueltat.

Auch heute sagen Menschen: Wer krank wird oder leidet, muss etwas Böses getan haben. Oder noch krasser: Corona ist eine Strafe Gottes. Sie haben genauso unrecht.

Kann Gott aus so einer Leidensgeschichte etwas Gutes machen? Aus Krankheit, Folter und Schmerzen eines gerechten Menschen Segen entstehen lassen?

Jesaja sagt: Ja. Gott kann das. Einfach war es nicht. Es war ein hoher Preis. Es kostete das Leben eines Menschen. Noch dazu eines unschuldigen. Aber Gott wollte so das Problem menschlicher Schuld und Schuldzuweisungen an seiner Wurzel anpacken und auslöschen. Der Gottesknecht litt im Auftrag Gottes, um eine zerrüttete Gemeinschaft zu versöhnen. Er sollte Frieden schaffen. Menschen in ihrer Seele heil machen, ja ihnen Heil bringen.

In der Pandemie gewinnt das Lied vom Gottesknecht einen tiefen Sinn:

Durch seine Wunden sind wir geheilt. Der Gottesknecht weiß, was Krankheit ist. Er hat sie am eigenen Leib erlitten. Aber eben doch mehr: Er hat Krankheit und Schmerzen fortgetragen. Was soll das heißen? Die Gemeinschaft der Glaubenden, die auf den Gottesknecht schaut, hat gespürt: Gott stellt sich an die Seite des Leidenden. Gott schaut auf ihn. Er trägt ihn und gibt auch uns dadurch Kraft. Gott nimmt ihm die Todesangst. Hilft zu überwinden. Und weckt so in uns neue Hoffnung.

Für uns heute gesprochen: Gott ist da, wo Menschen leiden. In den Kliniken und Altenheimen. Bei den Einsamen zuhause. Gott allein kann es ihnen schenken, dass sie Frieden finden und ruhig werden. Dem Leiden den Schrecken nehmen. Ruhe schaffen in den Herzen und Frieden in der Seele.

Den „behinderten Gott“, nannte eine amerikanische Theologin, Jesus am Kreuz. Sie selbst saß ihr Leben lang im Rollstuhl. Für sie war wichtig: Jesus, das war nicht nur der große Heiler, der Menschen gesund machte. Weil er selbst voller Schmerzen war, gedemütigt und gefoltert,

deshalb war/ist er besonders glaubwürdig. Der Herr der Welt stirbt – scheinbar ohnmächtig. Er schaut noch nach der geliebten Mutter und dem Freund. In seiner Schwachheit ist er so mächtig, dass die Liebe ganz viel Raum bekommt. Da werden Schuld und Verfehlung ganz klein und göttliche Liebe ganz groß.

Karfreitag zeigt: Gott steht bei einem auserwählten leidenden Menschen. Das verbindet das Lied vom Gottesknecht mit der Passionsgeschichte. Genau darin steht er auch bei uns, „er steht auf zur Seite der Armen, der Kleinen, vertraut mit der Ohnmacht, der liebende Gott.“ Amen

 

EG 85,1 O Haupt voll Blut und Wunden

1. O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

 

Lesung  Matthäus 31-50 (Kreuzigung und Tod)

31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.

32 Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug.

33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte,

34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken.

35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.1

36 Und sie saßen da und bewachten ihn.

37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist Jesus, der Juden König.

38 Und da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe

40 und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!

41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:

42 Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.

43 Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn.

44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren.

45 Und von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

47 Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia.

48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

49 Die andern aber sprachen: Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihm helfe!

50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.

 

EG 85,9 Wenn ich einmal soll scheiden

9. Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

 

Segen

Es Segne und behüte uns der gnädige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Lied: EG 98 Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt - Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün.

 

Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit Amen

Texte: Jochen Arnold, Bettina Gilbert und Dominik C. Rohrlack


Andacht zum Osterfest

 

Liebe Gadenstedter und Ölsburger,

der Tod hat nicht das letzte Wort. Heute dürfen wir es feiern: das Leben siegt. Gerade in diesem Jahr erscheint diese Aussage noch wichtiger. Wir hoffen, dass Sie diese alte Glaubensgewissheit an diesem Osterfest ganz besonders spüren können. Mit Ihnen in Gedanken und Gebet verbunden, grüßen wir Sie und Euch herzlich.

Bleiben Sie behütet und gesund!

Ihre Pastoren Norbert Paul und Dominik C. Rohrlack

Wenn Sie mögen, können Sie eine Kerze entzünden.

 

Einstimmung

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Wir hören die Worte – gemeinsam und an verschiedenen Orten.

Geht uns die Osterbotschaft zu Herzen? Können wir uns an ihr freuen? Oder quälen uns Fragen und Sorgen?

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Er möge das, was uns belastet, wegrollen wie den Stein vor Jesu Grab.

Amen.

 

EG 116 Er ist erstanden, Halleluja

1. Er ist erstanden, Halleluja. Freut euch und singet, Halleluja.

Denn unser Heiland hat triumphiert, all seine Feind gefangen er führt. Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod. Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

2. Er war begraben drei Tage lang. Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank; denn die Gewalt des Tods ist zerstört; selig ist, wer zu Jesus gehört. Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod. Sünd ist vergeben, Halleluja!

Jesus bringt Leben, Halleluja!

5dt. Er ist erstanden, hat uns befreit; dafür sei Dank und Lob allezeit. Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod, Christus versöhnt uns mit unserm Gott. Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat vom ewigen Tod. Sünd ist vergeben, Halleluja! Jesus bringt Leben, Halleluja!

 

Gebet

(eine*r in der Hausgemeinschaft betet oder alle beten gemeinsam)

Du Gott des Lebens,  du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen an jenem Ostermorgen.  Du hast einen neuen Anfang geschenkt, als alle nur auf das Ende blickten.

Versteinertes hast du ins Rollen gebracht, Erstarrtes in Bewegung. Die Schatten der Angst hast du zur Seite gewischt.

Lass dein Licht auch unseren Ostermorgen erleuchten.

Schenke Mut, das Unglaubliche zu glauben,

damit auch wir das Leben finden. Amen

 

Hinführung zum Markus 16,1-8

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab kommen, sind sie todtraurig. Ihre Hoffnungen sind mit Jesus gestorben. Das Einzige, was sie noch für ihn tun können, ist seinen Leichnam zu salben. Das denken sie. Doch dann ist alles anders.

Als sie ans Grab kommen, ist der Stein weggerollt und das Grab leer.

 

Bibeltext des Tages ......

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

Übersetzung: Basisbibel

Als der Sabbat vorbei war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus, und Salome wohlriechende Öle. Sie wollten die Totensalbung vornehmen. Ganz früh am

ersten Wochentag kamen sie zum Grab. Die Sonne ging gerade auf.

Unterwegs fragten sie sich: »Wer kann uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?«

Doch als sie zum Grab aufblickten, sahen sie, dass der große, schwere Stein schon weggerollt war. Sie gingen in die Grabkammer hinein. Dort sahen sie einen jungen Mann auf der rechten Seite sitzen, der ein weißes Gewand trug.

Die Frauen erschraken sehr. Aber er sagte zu ihnen: »Ihr braucht nicht zu erschrecken! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, der gekreuzigt worden ist. Gott hat ihn vom Tod auferweckt, er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo sie ihn hingelegt hatten.

Macht euch auf! Sagt seinen Jüngern und besonders Petrus: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat.«

Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.

 

Lied: Christ ist erstanden (gesungen oder angehört oder vorgelesen)

Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen; seit dass er erstanden ist, so lobn wir den Vater Jesu Christ’. Kyrieleis. Halleluja, Halleluja, Halleluja! Des solln wir alle froh sein,

Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.

 

Verkündigungsimpuls zu Markus 16, 1-8

(eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

 

Keine Spur von Osterfreude – stattdessen Angst und Entsetzen. Ihre Träume sind zerplatzt. Von ihm, Jesus von Nazareth, hatten sie Rettung und Erlösung erwartet. Was hatten sie nicht alles für gute Erfahrungen mit ihm gemacht? Niemand hatte bisher so von Gott gesprochen: „Gott ist Liebe.“ Davon war Jesus zutiefst überzeugt. Das war sein Programm. In seiner Gegenwart wurden Menschen gesund an Leib und Seele. Und nun? Aus der Traum. Jesus wurde ans Kreuz genagelt. Seine Botschaft über das Gottesreich, passte nicht zur politischen Großwetterlage.

Seine Jünger haben sich eingeschlossen. Voller Angst, dass die Römer ihnen auch an den Kragen wollen. Die Frauen aber machen sich am frühen Morgen auf den Weg zur Grabstätte. Erst unterwegs überlegen sie, wer ihnen den schweren Stein vor dem Felsengrab wegrollt. Und dann die Überraschung: Das Grab ist offen. Aber nicht nur das. Das Grab ist leer! Nicht einmal der Leichnam ist den Frauen geblieben. Umsonst haben sie das Salböl gekauft, denken sie verbittert.

Auf einmal fällt ihnen ein junger Mann auf. Er trägt ein weißes Gewand – wie ein Engel. Der sagt: „Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ Die Frauen erschrecken. Was haben diese Worte zu bedeuten? „Macht euch auf!“, fährt der Mann fort. „Sagt es den Jüngern: Jesus geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn finden.“ Verwirrung macht sich breit. Das ist zu viel für die Frauen. Sie können es nicht glauben. Sie halten fest an dem, was sie kennen: Tot ist tot. Die Worte des Mannes machen ihnen Angst. Sie finden keine Worte, können nur noch wegrennen.

Es braucht Zeit, die Botschaft von der Auferstehung Jesu zu begreifen. Seine Kreuzigung ist nur schwer zu verstehen. Aber seine Auferstehung ist für viele ein noch größeres Rätsel. Doch die Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt bald alle, die um ihn trauern: die eben noch verzweifelten Männer und Frauen. Statt Trauer spüren sie Freude, statt zerplatzter Träume neuen Lebenssinn.

Bis heute können wir erleben, dass Jesus Christus lebendig ist. Wir spüren seine Gegenwart. In ihm wird die Liebe Gottes konkret. Er schenkt die Kraft zur Vergebung, die ich allein nicht aufbringen kann. Er schenkt den Mut, sich für andere Menschen und die Schöpfung einzusetzen. Er kann auch heute Leben zum Guten verwandeln, wo wir ängstlich oder verstört sind. Wenn ich einmal sterbe, lässt Jesus mich nicht allein. Er schenkt mir neues Leben, das über den Tod hinausreicht. Ist das nicht ein Grund zur Osterfreude?

Amen.

 

Lied: Christ, der Herr ist auferstanden 

 (I) Christ, der Herr, ist auferstanden, (I+II) halleluja, (II) sagt es laut in allen Landen, (I+II) halleluja, (I) Siegesjubel hoch erschallt, (I+II) halleluja, (II) Erd und Himmel widerhallt. (I+II) Halleluja.

2. (I) Was im Stalle hat begonnen, (I+II) halleluja, (II) ist im Felsengrab gewonnen, (I+II) halleluja. (I) Leben aus der Ewigkeit, (I+II) halleluja, (II) überwindet Tod und Zeit. (I+II) Halleluja.

3. (I) Christus lebt, es sollen leben, (I+II) halleluja, (II) die sich ihm im Glauben geben, (I+II) halleluja, (I) und in seinen Händen ruhn. (I+II) Halleluja. (II) Tod, wo ist dein Stachel nun? (I+II) Halleluja.

4. (I) Großer König, dir zum Preise, (I+II) halleluja, (II) machen wir auf viele Weise, (I+II) halleluja, (I) aller Welt mit frohem Mund, (I+II) halleluja, (II) deinen Retternamen kund. (I+II) Halleluja!

 

Fürbitte und Vaterunser

(eine*r in der Hausgemeinschaft betet, oder alle beten gemeinsam)

 

Jesus Christus,

du Bruder aller Menschen.

du hast den Tod überwunden

und den Stein der Trauer zur Seite gestoßen.

Wir danken dir, dass dein Licht

unsere Finsternis vertreibt.

Hilf uns, dass wir uns nicht an das Vertraute klammern,

sondern offen sind für die Wege, die du uns führst.

Für die Menschen, die leiden müssen,

und den Weg des Sterbens gehen,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben    

und um ihn trauern,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Für die Einsamen, die besonders unter

den Einschränkungen des Lockdowns leiden,

bitten wir dich in der Stille.

Stille

Wir beten zu dir mit Worten,

die Jesus uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Abschluss (Segenswort) (eine*r in der Hausgemeinschaft liest)

Hände öffnen, Handflächen nach oben,

sagen:

Es segne uns der lebendige Gott.

Er verwandle unsere Trauer in Freude.

Es segne uns Christus.

Er wandle unsere Müdigkeit in Hoffnung.

Es segne uns Gottes Geist.

Er führe uns aus der Dunkelheit ins Licht.

Amen.

 

EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein

1. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit; denn unser Heil hat Gott bereit’. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist, dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

5. Des freu sich alle Christenheit und lobe die Dreifaltigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, gelobt sei Christus, Marien Sohn.

 

Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit. Amen

Texte: Stephan Goldschmidt, Michael Held und Dominik C. Rohrlack

Andachten verschiedener Autor*innen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises www.kirche-peine.de

Die tägliche Losung